Einblick in das zwanzigste Jahrhundert
Eine Antwort an Herrn Jamal Safari aus Deutschland
Ein religiöses u. theosophisches Buch der Schule der Schaichi
Vom
Heiligen Weisen,
dem Seligen, dem Märtyrer
Hāddsch Abdolreza Khān Ibrāhīmī
(verfasst im Jahr 1971 n.C.)
Übersetzt von
Dr. Seyed Hossein Riazimand
Heiliger Weiser und großer Schriftgelehrter, der Märtyrer Hāddsch Abdolreza Khān Ibrāhīmī
(1922 - 1979 n.C.)
Anmerkung des Übersetzers:Der folgende Text erläutert die Grundgedanken des Schaichismus.
Bedeutung einiger häufig verwendeter arabischer Worte und Begriffe:
Gott wird als wörtliche Übersetzung für Allah verwendet. Das Wort steht auch für das persische »Khoda«.
Das Wort »Schaich« hat vielerlei Bedeutungen, hier steht es für einen weisen, gelehrten Älteren. Der Plural des Wortes lautet Mashayekh, gemeint ist die Schaichi Gelehrten.
Imam: Spiritueller Führer. Im vorliegenden Text wird der Titel auf den »Führer der Gläubigen«, Alī Ibn Abī Tālib und seine elf Nachfolger angewendet. Nicht zu verwechseln mit »imam«, dem Vorbeter in der Moschee.
Hadith: Berichte und Erzählungen über die Handlungen und Aussagen des Heiligen Propheten und der zwölf Imame, die seine Familie bilden. (Immerwährender Friede sei mit ihnen und ihren Nachfolgern).
Familie: Damit ist die Familie des Propheten Mohammed gemeint, seine Tochter Fatimah, sein Cousin und Schwiegersohn Ali - der Oberhaupt der Gläubigen - sowie ihre elf Nachkommen.
Ethna Aschar: bedeutet im Arabischen Zwölf. Jene, die an die zwölf Imame glauben, werden als Ethna Aschari oder Zwölfer-Imami [Zwölfer-Schiiten] bezeichnet.
Schaichismus (o.Schaikhismus) oder die Schule der Schaichi bezeichnet die Schüler von Scheich Ahmad al-Ahsa'i, Seyyid Kāzim Raschti (möge der Herr sie verherrlichen) und Hāddsch Mohammad Karim Khan Kirmani und jene »gelehrten Älteren«, die ihnen folgten. Das Hauptmerkmal dieser Schule ist, dass all ihre Lehren auf das Heiligen Buch, den Hadith des Propheten Mohammed und seiner Familie beruhen - möge der immerwährende Friede mit ihnen sein.
Kalif: Kalif wird im Heiligen Koran für Vizekönig oder Gottes Stellvertreter auf Erden verwendet. Das Kernzitat im Koran dazu lautet: »O David! Wir haben dich in der Tat zum Vizekönig auf der Erde gemacht, richte daher wahrhaftig unter den Menschen und folge nicht deinen Wünschen, denn diese werden dich von Allahs Weg abirren lassen; jenen, die Allahs Weg verlassen, droht schwere Strafe, da sie den Tag des Gerichts vergessen haben.« (38:26) - Der Titel wurde häufig von muslimischen Herrschern benutzt.
Khilafat: Die Verwaltung oder Herrschaft durch einen Kalifen.
FLGF: »Der Friede und das Lob Gottes mögen mit ihm und seiner Familie sein!«. Lobpreisformel, die stets auf die Erwähnung des Heiligen Propheten Mohammed folgt.
FSMI: »Friede sei mit ihm (oder mit ihnen)!« Folgt stets bei der Erwähnung eines der zwölf Imame.
Hujjat: Bezeichnet für gewöhnlich Beweis oder auch einen spirituellen Führer. Auf den zwölften Imam (FSMI) angewandt, bedeutet das Wort die Person, deren Rolle durch Gott bestätigt wurde. Daher wird er auch als Hazrat Hujjat, »Seine Eminenz, der Bestätigte« bezeichnet.
Seele und Geist: Im Hebräischen heißt Seele »ruach«, im Arabischen »rooh«. Die »Seele« wird dem Embryo im vierten Monat zuteil. Sie setzt sich aus unterschiedlichen Kräften zusammen, die in verschiedenen Lebensaltern vorherrschen können. Die erste dieser Kräfte wird als »jamadi« oder »mineralische Seele « bezeichnet - sie gibt allem Leblosen seine Form. Die zweite als »nabati« oder »pflanzliche Seele« - sie belebt alles Lebendige. Die dritte als »heyvani« oder »tierische Seele« - sie verleiht allen Tieren Bewusstsein und Begierde. Schließlich gibt es die »denkende Seele« oder »Geistseele« usw.
Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen
Lob und Preis sei Gott und gegrüßt seien seine auserwählten Diener!
So sage ich, Gottes bescheidener Diener, Abdolreza, Sohn des Abu'l-Qāsim, Sohn des Zayn al-ʿĀbidin, dass ich einen Brief von Jamal Safari erhielt, einem Iraner, der in Deutschland lebt. Er enthält einige Fragen zur angesehenen Schule der Schaichī. Zuerst wollte ich den Brief nur kurz beantworten. Dann aber dachte ich, die Antwort könnte vielen hilfreich sein, die sich für religiöse Fragen interessieren. Daher entschied ich mich für eine ausführlichere Antwort, in der Hoffnung, sie werde dem Verfasser des Briefes und vielen anderen, die ähnliche Fragen haben, weiterhelfen. Ich werde die Fragen im Wortlaut wiedergeben und dann meine Antwort anschließen - »denn es gibt keine Macht und keine Stärke außer in Gott و لا حول و لا قوة الا بالله
Herr Safari hat geschrieben: »Ich will selbst über meine Religion und meinen Glauben entscheiden.«
Antwort: Sie haben eine sehr gute Entscheidung getroffen, die ihnen sowohl in dieser Welt als auch in jener Welt hilfreich sein wird. Gottes Religion für die Gegenwart ist der »Islam«. Die früheren Religionen - das Judentum oder das Christentum zum Beispiel - entsprachen ihrer Zeit und ihre von Gott gesandten Propheten waren die Propheten ihrer Zeit. Der letzte von Gott gesandte Prophet war Mohammed, der Sohn des ʿAbd Allāh (FLGF), der die letzte von Gott gesandte Religion verkündet hat. Sein Buch ist das letzte von Gott geoffenbarte Buch. Was der Prophet als »halāl« bezeichnet hat (was man benutzen, essen und tun darf) ist »halāl« bis zum Tage der Auferstehung, und was er als »harām« bezeichnet hat (was man nicht nutzen, essen oder tun darf) ist »harām« bis zum Tage der Auferstehung.
Wie schon der Prophet Mohammed vorausgesagt hat, ist seine Umma (sein Volk) in 73 Glaubensgemeinschaften aufspalten, aber nur eine davon ist rechtmäßig. Und diese eine, rechtmäßige Gemeinschaft ist die der »Esna Ascharieh-Schiiten« (jener, die an die zwölf Imame oder Nachfolger des Propheten glauben und ihnen nachfolgen). Die anderen Gemeinschaften sind dem Irrtum verfallen. Die »Esnah Ascharieh-Schiiten« glauben, dass der getreue Imam ʿAlī (FSMI), das »Oberhaupt der Gläubigen« (Amir al-Mu'minin), der rechtmäßige Nachfolger des Propheten war und nach ihm seine elf Nachkommen, die als Imame der Muslime gewirkt haben und dass der zwölfte, letzte Imam im Verborgenen lebt. Wenn die Zeit gekommen ist und Gott es für richtig befindet, wird dieser zwölfte Imam sich selbst offenbaren und allen Menschen Gerechtigkeit bringen.
Wenn Sie also selbst über ihre Religion entscheiden wollen, dann müssen Sie Gottes Religion, den Islam, wählen und innerhalb des Islam den rechtmäßigen Glauben, jenen der Nachfolger der zwölf Imame, die »Esna Ascharieh-Schiiten«.
Herr Safari hat geschrieben: »Heutzutage darf man nichts auf blinden Glauben und ohne gute Beweise oder Gründe annehmen.«
Antwort: Zweifellos gilt dieser Grundsatz nicht nur heute, sondern jederzeit. Man sollte nie etwas ohne gute Gründe annehmen. Denn Gott betrachtet den Beweis als Zeichen der Wahrheit. In seinem Buch (Koran) heißt es: »Bringt euren Beweis herbei, wenn ihr wahrhaftig seid!« (27:64) قل هاتوا برهانكم ان كنتم صادقين
Gott hat dem Menschen die Vernunft gegeben, durch die er allgemeine Grundsätze erfassen kann und diese Vernunft ist sein innerer Führer, der ihn auf den rechten Weg bringt.
Gott hat aber auch einzelne Menschen als seine lebendigen Zeugen oder Beweise (Hujjat) auserwählt, um in untergeordneten religiösen Fragen als Führer zu dienen. Nachdem wir die allgemeinen Grundsätze und Ideen verstanden haben, müssen wir diese Menschen (Hujjat) an ihren besonderen Eigenschaften erkennen - und mit Gottes Hilfe sind wir auch imstande, sie durch unsere leiblichen Sinne zu erkennen. Dann aber können wir von ihnen Rat in untergeordneten religiösen Fragen erhalten, auf den wir angewiesen sind, da unsere Vernunft für gewöhnlich nicht vollkommen ist und nicht ohne weiteres die richtigen Antworten auf diese Fragen finden kann. Wie leicht wir uns irren, zeigt sich schon daran, dass wir in solchen Fragen unterschiedlicher Meinung sind. Der eine liebt, was der andere verabscheut. Der Grund für diese mangelnde Übereinstimmung ist die Unvollkommenheit der menschlichen Vernunft. Um uns vor Irrtümern zu schützen, sollten wir unsere vermeintlichen Einsichten an den Erkenntnissen eines wahrhaft Weisen messen, der seine Vernunft vervollkommnet hat. Aber da die Vernunft das Auge der Seele ist, vermögen wir sogar die allgemeinen Grundsätze richtig zu verstehen, auch wenn wir uns in Einzelheiten irren - ebenso, wie wir mit den Augen des Körpers allgemeine Eindrücke erfassen können, auch wenn wir Einzelheiten nicht wahrzunehmen vermögen.
Manche Menschen haben ein gutes Sehvermögen, andere nicht. Denkt an zwei Menschen, die in der Nähe eines Berges stehen: Beide sehen den Berg, weil er riesig ist. Der eine aber, mit scharfen Augen, kann auch einzelne Büsche und Felsen erkennen, während der andere diese Einzelheiten nicht zu erkennen vermag; er sieht vielleicht nur die größeren Felsen oder Sträucher. Jemand, der noch schwächere Augen hat, sieht nicht einmal die.
Nun, grundlegende Prinzipien der Welterkenntnis, wie die Notwendigkeit eines Schöpfers, sind allen Menschen einsichtig, mögen sie nun eine stärker oder weniger stark geschulte Vernunft besitzen. Denn um einzusehen, dass ein Gebäude jemandes bedarf, der es errichtet, benötigt man nicht viel Vernunft, ebensowenig, wie man eine auserlesene Intelligenz benötigt, um einzusehen, dass die so komplexe und gut organisierte Welt eines Schöpfers bedarf, der sie ins Dasein gerufen hat. Dass sie sich selbst geschaffen hat, wird kaum jemand behaupten. Wenn man aber die Ordnung und Weisheit betrachtet, die diese Welt durchdringt, kann man leicht begreifen, dass der Schöpfer dieser Welt allwissend, allmächtig und weise sein muss und dass er sie nicht aus einer Laune heraus hervorgebracht hat.
Alle denkenden Wesen können diese grundlegenden Prinzipien begreifen, man kann sogar zum Ergebnis kommen, dass der allwissende Schöpfer mit der Erschaffung des Menschen ein bestimmtes Ziel verfolgte, das den Menschen zunächst nicht bewusst war. Daher musste der allmächtige Schöpfer, der den Menschen anfangs unwissend geschaffen hat, die Menschheit irgendwie über seine Absichten unterrichten. Aber da die Sinne des Menschen nicht geeignet sind, die Anordnungen Gottes unmittelbar zu erkennen, müssen sie durch einen Menschen belehrt werden, der zu ihnen sprechen kann, der einen Körper besitzt wie sie und so weise ist, dass er Gottes Anordnungen erkennen, andere auf sie aufmerksam machen und sie ihnen erklären kann.
Offensichtlich vermögen Steine, Pflanzen und Tiere diese Aufgabe nicht zu erfüllen, da sie nicht mit Vernunft begabt sind und - abgesehen davon - auch nicht sprechen können. Notgedrungen muss dieser Gesandte also ein Mensch sein wie wir. Da aber manche Menschen ehrenhaft sind und andere lügen, kann es sein, dass jemand zu Unrecht behauptet, der Gesandte des Schöpfers zu sein. Da Gott möchte, dass die Menschen das wahre Wort empfangen, muss er seinem Gesandten gewisse Eigenschaften mitgeben, aufgrund derer sie ihn erkennen und seinen Worten Glauben schenken können. Es muss zweifelsfrei erkennbar sein, dass er über eine höhere Weisheit als andere verfügt und über gewisse Fähigkeiten, den Willen Gottes zu erkennen. Und aufgrund seiner Verbindung zu Gottes Willen muss er auch über Kräfte verfügen, die ihn vor allen anderen auszeichnen.
Trotz alledem muss er durch Gott bestätigt werden und wenn er nicht der wahre Bote ist, dann wird Gott ihn entehren und blamieren. Der bestätigte Gesandte dagegen wird als »Prophet« bezeichnet - als jemand, der uns Gottes Willen offenbart und unsere Gebete an ihn weiterleitet.
Die menschliche Vernunft - mag sie auch nur bescheiden entwickelt sein - vermag zwei Dinge mit Sicherheit zu erkennen:
• dass es einen weisen und allmächtigen Gott gibt, der uns nicht ohne Grund erschaffen hat,
• dass er einen Propheten senden musste, der den Willen Gottes erkennt und weiß, was er verboten hat, der uns zu jenem Ziel führen kann, um dessentwillen wir geschaffen wurden, und der außerdem durch gewisse Zeichen als solcher bestätigt wird.
Aber, wie dieser Prophet heißen, wo er sich aufhalten oder wie er aussehen wird, das kann eine unvollkommene Vernunft nicht erkennen, und daher müssen wir uns gedulden, bis er sich als solcher zu erkennen gibt.
Unserer Vernunft verdanken wir die zwei genannten Einsichten und wir können diese als Grundlage unseres Glaubens betrachten. Von hier aus können wir zu forschen beginnen und wir werden prüfen müssen, ob diese Ergebnisse unseres Denkens mit den Tatsachen übereinstimmen und ob tatsächlich solche Menschen in der Welt erschienen sind.
Unsere Nachforschungen ergeben, dass es tatsächlich solche Menschen gegeben hat, die behaupteten, Gottes Gesandte zu sein, Menschen, die Wunder bewirkten und durch andere Zeichen bezeugten, dass ihre Ansprüche rechtmäßig waren. Sie sind außerdem durch Gott bestätigt worden. Er hätte sie der Lächerlichkeit preisgeben können, was er aber nicht getan hat, vielmehr sammelten sich viele Menschen um sie und folgten ihren Belehrungen.
Aus all dem geht für uns hervor, dass Propheten wie Moses, Jesus und Mohammed, der Sohn des ʿAbd Allāh (Gottes immerwährender Friede sei mit ihm), alle rechtmäßig und von Gott gesandt waren.
Und wir wissen auch, dass der letzte dieser Propheten sich nicht nur durch Wunder und Zeichen als solcher bezeugt hat, sondern uns auch ein Buch brachte, das den Namen Heiliger »Koran« trägt.
Er sagte, der »Koran« sei das Wort Gottes und für sich genommen schon ein Wunder und niemand anderes vermöge Vergleichbares zu schaffen. Und in der Tat: in den fast vierzehn Jahrhunderten, die seitdem verstrichen sind, hat niemand etwas Vergleichbares hervorgebracht. Der »Koran« würdigt die vorangegangenen Propheten und berichtet von Mohammeds eigenen Wundertaten. Niemand hat diese damals bestritten. Einige sprachen zwar von Zauberei, aber niemand hat jemals die Behauptung widerlegt, dass kein Anderer etwas dem »Koran« Vergleichbares schaffen könne.
Es gibt keinen Grund, die von ihm bewirkten Wunder als Zauberei zu betrachten und jene, die dies behaupteten, brachten keinerlei Beweise für ihre Behauptungen vor. Wären sie Zauberwerk gewesen, hätte Gott sie zweifellos verworfen - aber nichts dergleichen ist geschehen. Abgesehen davon liegt uns sein immerwährendes Wunder, der »Koran« vor, und trotz all ihrer Anstrengungen haben all seine arabisch sprechenden Feinde in den letzten vierzehn Jahrhunderten nicht Vergleichbares zu schaffen vermocht.
Wenn wir all dies bedenken, dürfen wir von der Wahrhaftigkeit seiner Worte überzeugt sein und auch davon, dass er ein von Gott gesandter Prophet ist.
Die Religion, die er brachte, setzte alle anderen außer Kraft und er ist der letzte der Propheten - mit anderen Worten: Mit ihm endet die Offenbarung durch Propheten. Seine Religion ist die letzte aller Religionen. Auch wenn alle vorangegangenen Propheten Gesandte Gottes waren, verlor ihre jeweilige Religion bei der Ankunft des folgenden ihre Gültigkeit und wer bewusst Anhänger des vorangegangenen blieb, befand sich auf dem Irrweg, da er die Rechtmäßigkeit seines Nachfolgers leugnete. In Wahrheit war er ungehorsam gegen Gott und seine Handlungen waren wertlos.
Auf der Grundlage dieser Überlegungen und Argumente können wir zwei Grundsätze der Religion als bewiesen betrachten: dass es einen »Gott« gibt und dass er einen Propheten namens »Mohammed, Sohn des ʿAbd Allāh« (FLGF) gesandt hat, der sein Sprecher ist und uns über seinen Willen und darüber in Kenntnis setzt, was wir unterlassen sollen.
Damit anerkennen wir auch alle Eigenschaften Gottes, die er ihm zugeschrieben hat, wie Gerechtigkeit, Allmacht, Allwissenheit, Herrschaft und alle weiteren, von denen er uns berichtet hat, ob wir sie nun beweisen können oder nicht. Und wenn wir etwas finden, das unserer Vernunft widerspricht, dann müssen wir unsere Vernunft verwerfen, und seinem Wort folgen, da wir unserer unvollkommenen Einsicht nicht zumuten dürfen, dass sie alles bis ins kleinste Detail begreift. Wir wissen aus Erfahrung, dass wir schon manches in den Wissenschaften oder auf anderen exoterischen Gebieten nicht verstehen, das hingegen andere verstehen und wir können uns sogar in diesen Dingen irren.
Wenn wir uns aber schon in den Dingen dieser Welt irren können, geschweige denn in esoterischen Angelegenheiten, dann ist es das sicherste, wenn wir unsere eigene Vernunft zum Schweigen bringen, und stattdessen dem Propheten Gottes folgen, der vollkommene Einsicht und vollkommene Weisheit besitzt und dem außerdem Gottes Offenbarungen zuteil werden. Daher sollten wir alles, was er uns über esoterische Fragen berichtet hat, wie den Tag der Auferstehung, den Himmel, die Hölle, Belohnung und Bestrafung und religiöse Pflichten bedingungslos annehmen. Wenn wir Einzelnes davon verstehen, dann danken wir Gott, dass er uns die nötige Einsicht gegeben hat und wenn wir anderes nicht verstehen, dann nehmen wir auch dieses an und glauben es. Und wir beten zu Gott, er möge unsere Einsicht erweitern und die Augen unseres Geistes erleuchten, auf dass wir besser verstehen können. Aufgrund dieser Überlegungen schließen wir, dass es unsere Pflicht ist, Gottes Buch und der Verkündigung seines Propheten Folge zu leisten.
Wenn wir aber dieses Buch Gottes näher betrachten, dann stellen wir fest, dass es ein relativ dünnes Buch ist, trotzdem Gott gesagt hat, »alles« sei in ihm enthalten. Schon der Umfang des Buches legt nahe, dass es nicht alle Anordnungen und Gegenstände dieser Welt enthalten kann. So ist nicht alles auf Anhieb erkennbar, aber es ist im Koran enthalten; seine innere esoterische Bedeutung und Auslegung kennen Gott allein und die von ihm Belehrten. Wenn wir feststellen, dass wir nicht alles unmittelbar aus dem Koran verstehen können, dann begreifen wir, dass uns Gottes Buch heute alleine nicht genügt, und dass wir nicht all unsere Fragen in ihm beantwortet finden. Wir finden nicht einmal die genauen Vorschriften zu den Gebeten, von denen im Koran die Rede ist.
So heißt es etwa im Koran, wir sollten täglich beten. Aber es wird nicht deutlich beschrieben, wie wir beten sollen und wie viele »rakat« (Gebetseinheit, bestehend aus Stehen, Beugen und Berühren der Erde mit der Stirn) wir bei jedem Gebet durchführen sollen oder was bei jedem »rakat« gesagt werden muss. Die einzige Lösung für dieses Problem besteht darin, dass wir uns an die Worte des Propheten halten, da er allein die Bedeutung jeder Einzelheit kennt. Nicht nur wir, sondern auch andere verstehen diese Dinge nicht richtig, und wenn wir uns auf das verlassen, was andere sagen, wissen wir nicht wirklich, ob sie diese Dinge richtig verstanden haben. Es gibt deshalb keinen überzeugenden Grund, jemandem zu folgen, dessen Verständnis der Bedeutungen des Koran genauso unvollkommen ist wie unser eigenes und der unseren Mangel an Wissen über den Willen Gottes teilt.
Die einzige Lösung für dieses Problem besteht also darin, uns an die Anweisungen des Propheten, die sogenannte Überlieferung (»Sunnat«) zu halten. Wir müssen jedoch berücksichtigen, dass der Prophet nach seiner Berufung nur noch dreiundzwanzig Jahre gelebt hat. Die ersten dreizehn Jahre verbrachte er - zusammen mit einigen wenigen Anhängern -meist im Exil ohne Festen Wohnsitzt. Dann zog er von Mekka nach Medina, wo er den größten Teil der verbliebenen zehn Lebensjahre mit Kämpfen gegen Heiden beschäftigt war. Manche Historiker sprechen davon, dass er in dieser kurzen Zeit mit bis zu achtzig Schlachten konfrontiert war, d.h. mit einer Schlacht alle 45 Tage, was sehr wenig Zeit übrig lässt, allen Menschen sämtliche Anordnungen und Regeln Gottes mitzuteilen, die bis zum Tag des Gerichtes gelten sollen.
Nicht mehr als 4000 Hadith des Propheten (FLGF) sollen überliefert sein; offensichtlich reichen auch diese nicht aus, um alle religiösen Fragen zu beantworten. Wir müssen anerkennen, dass der Prophet Gottes, der gesagt hat, seine Religion werde bis zum Tag des Gerichts bestehen bleiben, nicht alle Regeln und Anweisungen zu geben vermochte, und auch wenn das Buch Gottes, das er uns hinterlassen hat, alle allgemeinen Fragen und Anweisungen abdeckt, so können wir doch nicht viel davon verstehen. Was hat er seinen Anhängern also für Anweisungen hinterlassen?
Wir müssen herausfinden, was wir tun sollen und wie diese Religion bis zum Tag des Gerichts bestehen bleiben kann; Gottes Buch ist kurz und wir finden darin nicht alle Antworten, es sind nicht genügend Erzählungen überliefert - was also sollen die Menschen tun?
Zuerst müssen wir in seinen Anweisungen suchen. Wenn wir dort die Antwort nicht finden, dann werden wir sein Prophetentum zu Recht anzweifeln. Denn, wenn jemand behauptet, seine Religion werde bis zum Ende der Tage dauern und er sei der Bote Gottes, aber nicht alle Regeln verkündet und den Menschen nicht mitteilt, wie sie sich nach seinem Tode verhalten sollen, kann er weder als weise betrachtet werden, noch als Gottes Bote.
Aber wenn wir seine Ansprachen untersuchen, stellen wir fest, dass dies nicht der Fall ist, dass er nicht versäumt hat, sein Volk zu führen und für die Zeit nach seinem Tod Anweisungen zu erteilen. Vielmehr hat er den Willen Gottes fehlerlos übermittelt und sein Prophetentum vollumfänglich kundgetan. Kurz vor seinem Tod, bei seiner Rückkehr von der letzten Pilgerreise nach Mekka, rief er nach einem Bericht die etwa über hunderttausend Menschen, die ihn begleiteten, zusammen, um eine Versammlung an einem Ort abzuhalten, der »Ghadīr Chumm« genannt wird (غديرخم ). Hier sprach er die Frage der Nachfolge an und setzte ʿAlī (den Sohn des Abī Tālib) als Interpreten des Buches Gottes und als Führer der Menschen nach seinem Tod ein.
Der Prophet sagte: »Seid euch dessen bewusst, dass es mehr Dinge gibt, die erlaubt und verboten sind, als ich aufzählen oder erklären kann. Ich kann auch nicht alles benennen, was erlaubt oder verboten ist. Aber ich wurde angewiesen, euch einen Treueeid gegenüber ʿAlī abzunehmen und ein Bekenntnis zu dem, was ich euch über ʿAlī, das Oberhaupt der Gläubigen, und die Imame (FSMI), die auf ihn folgen werden, erzählt habe. O, denkt aufmerksam über die »mohkamat«-Verse (die grundlegenden Verse) des Buches Gottes nach und versucht sie zu verstehen. Denkt aber nicht über die »motaschabehaat«-Verse (die mehrdeutigen Verse) nach und versucht nicht, euer Handeln nach ihnen zu richten. Hiermit bezeuge ich vor Gott, dass niemand besser erklären kann, was das Buch verbietet, und dass niemand es besser deuten kann, als der, dessen Hand ich hier halte.« In derselben Ansprache sagte er: »Jedesmal, wenn Gott mir etwas gebot oder verbot, gab ich ich dies auch an ʿAlī weiter. Er kennt alle Gebote und was durch Gott den Allmächtigen verboten wurde - so hört auf ihn und gehorcht ihm.«
Und er fügte hinzu: »Oh ihr Menschen, der allmächtige Gott hat mich angewiesen, ʿAlī unter euch als Vorbild aufzurichten, als Imam, als meinen Nachfolger und als Vollstrecker meines Willens und ihn zu meinem Bruder und Stellvertreter zu machen. Wessen Herr ich bin, dessen Herr ist auch ʿAlī. O Gott, liebe und hege einen jeden, der ihn liebt und hegt, unterstütze jeden, der ihn unterstützt, sei der Feind eines jeden, der ihn anfeindet.«
Ibn Maghazeli, ein sunnitischer Gelehrter, hat berichtet, dass ʿUmar, der Sohn des al-Chattāb (der zum zweiten Kalifen werden sollte), zu ʿAlī, dem Führer der Gläubigen nach der Ansprache Mohammeds folgendes sagte: »Selig sei, selig sei, o Sohn Abī Tālibs, dass Du zu meinem Herrn und zum Herrn eines jedes rechtgeleiteten Mannes und jeder rechtgeleiteten Frau erwählt wurdest.« Daraufhin wurde dem Propheten Mohammed eine Offenbarung zuteil, in der Gott sagte: »Heute habe ich meine Religion an euch vollendet und meine Gnade an euch vervollständigt und den Islam zu eurer Religion bestimmt.« (5:3)
اليوم اكملت لكم دينكم و اتممت عليكم نعمتي و رضيت لكم الاسلام دينا
Der »Hadith von Ghadīr Chumm« ist nur einer von Hunderten von Hadith des Propheten, in denen er über die Nachfolge ʿAlīs, des Anführers der Gläubigen (Amir al-Mu'minin), gesprochen hat. Dieser Hadith wird von Schiiten und Sunniten gleichermaßen überliefert.
Von Ibn Shahr Ashoob wird erwähnt, dass es über tausend Bücher von älteren wie auch jüngeren Autoren gibt, in denen dieser Hadith von den unterschiedlichsten Zeugen erzählt wird, darunter auch einige heute noch oder wieder erhältliche, wie das »Abghat-ol-Anvar« الانوار عبقات , das aus einer Reihe von Bänden besteht, oder das großartige »Ghayat-ol-Maram« المرام غاية , die alle diesem Hadith, seinen unterschiedlichen Überlieferungsformen und Zeugen gewidmet sind, zu denen sowohl Schiiten als auch Sunniten gehören.
Für ein ausgewogenes Urteil kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der Prophet sein Volk nicht im Ungewissen gelassen, sondern seinen Nachfolger durch jene Handlung eingeführt hat, welche die Religion Gottes vollendete und Gott gefiel. So sehen wir die Forderung der Vernunft - dass der Prophet einen Nachfolger haben muss, der Gottes Anweisungen kennt - durch die Berichte bestätigt, die überliefern, dass dies tatsächlich geschehen ist, und indem wir diese beiden Erkenntnisquellen - die Vernunft und die Überlieferung - miteinander verknüpfen, erlangen wir die Einsicht, dass der Nachfolger des Propheten seine Heiligkeit der Anführer der Gläubigen - ʿAlī, der Sohn Abī Tālibs ist (FSMI).
Andererseits wissen wir aber auch, dass andere Personen, welche die Rolle des Propheten beanspruchten, von Gott entehrt worden sind und dass die Ungültigkeit ihres Anspruchs für jedermann sichtbar wurde. So war zum Beispiel der erste, der Anhänger um sich sammelte, und sich selbst nach dem Tod des Propheten als »Kalif« bezeichnete, Abū Bakr, der jedoch keinerlei Beweis für diesen Anspruch hatte, - während Gott doch gesagt hat, der Beweis bestehe darin, dass jemand die Wahrheit sage. In seinem Buch sagt er: »Bringt euren Beweis herbei, wenn ihr wahrhaftig seid!« (27:64)
Abū Bakr hatte aber keinen Beweis, daher war er nicht wahrhaftig. Er brachte zu seiner Verteidigung lediglich einen Hadith des Propheten vor, der lautet: »Meine Anhänger werden sich nicht versammeln und der Bestechung zustimmen«. Aber selbst dies half nicht, weil sich die Muslime über seine Rolle als Kalif nicht einig waren.
Dagegen hatte der Prophet in zahlreichen Hadith die überragende Bedeutung ʿAlīs, des Anführers der Gläubigen unterstrichen. Und diese überwältigende Fülle an Beweisen zwang Abū Bakr, dessen Bedeutung anzuerkennen. Viele Male soll er von der Kanzel herab gesagt haben: »Lasst mich in Ruhe, lasst mich in Ruhe! Solange ʿAlī unter uns weilt, bin ich nicht der beste!« Nun also: Wenn er wahrhaftig war, warum beanspruchte er den Vorrang vor ʿAlī? Und wenn er gelogen hat: Was für eine Art von Kalif war er dann?
Nach ihm beanspruchte ʿUmar die Rolle des Kalifen. Er behauptete, Abū Bakr habe ihn zu seinem Nachfolger bestimmt. Das ist nicht akzeptabel, da Abū Bakr seinerseits behauptet hatte, vom Volk gewählt worden zu sein. Was gab ihm das Recht, einen Kalifen für die Muslime zu bestimmen? Wer hatte ihm diese Vollmacht verliehen? Ganz gewiss empfing er keine göttliche Offenbarung. Der Prophet hatte ihn weder zum Kalifen ernannt, noch ihm die Erlaubnis erteilt, den nächsten Kalifen zu bestimmen.
Ferner: Selbst wenn die Gemeinschaft das Recht hatte, den nächsten Kalifen zu wählen - wo erteilte sie ihm diese Vollmacht? Nachdem ʿUmar seine Stellung gesichert hatte, erstieg er die Kanzel und verkündete: »Der Treueschwur gegenüber Abū Bakr war ein Fehler, eine gedankenlose Handlung, ein »felteh«, und jeder, der diesen Fehler wiederholt, wird zum Tode verurteilt werden.« Wenn also nach Ansicht des zweiten Kalifen, der vom ersten Kalifen ernannt worden war, der Treueschwur gegenüber dem ersten ein Irrtum war, und wenn ein jeder, der solche Treue bewies, hingerichtet werden sollte, was hatte dann der erste Kalif für ein Recht, den zweiten zu ernennen?
Nun, falls ʿUmar die Wahrheit sagt, dann wäre sowohl sein eigenes Kalifat als auch das von Abū Bakr ungültig. Und wenn er lügt, dann ist er kein Kalif, weil der Stellvertreter Gottes auf Erden nicht lügt. ʿUmar soll auf der Kanzel auch gesagt haben: »Ich bin von einem Dämon besessen. Wenn er mich auf Abwege führt, müsst ihr mich korrigieren. Und jedes Mal, wenn ich mich irre, müsst ihr mich berichtigen«. Nun, was ist das für ein Kalif, der von einem Dämon besessen ist, und der seine Anhänger darum bittet, ihn auf den rechten Weg führen?
Auch der folgende Kalif ʿUthmān beanspruchte sein Kalifat aufgrund einer zweifelhaften Entscheidung. ʿUmar wählte sechs Männer aus, die seinen Nachfolger bestimmen sollten und befahl einem Leibwächter, alle sechs zu töten, falls sie sich nicht auf einen Nachfolger einigen sollten. Mit welchem Recht traf ʿUmar diese Entscheidung? Was gab ihm das Recht, die Tötung der sechs Wahlmänner zu verfügen, sollten sie sich nicht einigen können? Welches Recht hatte dieser Mann, der den Treueschwur gegenüber Abū Bakr als Irrtum bezeichnet hatte und der - da er selbst von Abū Bakr ernannt worden war - sowohl Abū Bakrs als auch sein eigenes Kalifat für nichtig erklärt hatte, - welches Recht hatte dieser Mann, auf diese absonderliche Weise einen Kalifen für alle Muslime zu bestimmen? Abgesehen von all dem war ʿUthmān äußerst grausam und eignete sich fremden Besitz an, sodass die Muslime gegen ihn rebellierten und ihn töteten.
Nun, die Handlungen und Aussagen dieser Kalifen zeugen von der Ungültigkeit ihrer Ansprüche. Auf diese Weise brachte Gott Schande über sie. Aber ʿAlī, der Anführer der Gläubigen, der aufgrund einer göttlichen Offenbarung zum Nachfolger des Propheten bestimmt worden war, erhob keine zweifelhaften Ansprüche und bevorzugte niemanden. Im Gegenteil, sein Verhalten war nicht nur für Muslime, sondern für alle Weisen vorbildlich. Es gibt keinen einzigen Hinweis auf eine Unrechtmäßigkeit seiner Stellung als Kalif und Imam.
Nun, sowohl die Vernunft als auch die Hadith besagen, dass der Prophet einen Nachfolger benötigt, und die Hadith beweisen, dass der Prophet ʿAlī, den Anführer der Gläubigen zu seinem Nachfolger und Kalifen berief. ʿAlī selbst erklärte, er sei der wahre Nachfolger. Keinerlei Beweis wurde für die Unrechtmäßigkeit dieses Anspruchs vorgebracht. Gott bestätigte ihn und offenbarte die Unrechtmäßigkeit der anderen Aspiranten auf das Kalifat. Jeder, der nicht parteiisch ist, wird anerkennen, dass ʿAlī der wahre Nachfolger des Propheten ist, dass seine elf Nachkommen, wie vom Propheten festgelegt, nacheinander Kalifen werden mussten und dass dieses Amt auf den letzten übergehen musste, der aus uns unbekannten Gründen im Verborgenen lebt und auf den Augenblick wartet, um sich uns zu offenbaren.
Die Tatsache, dass der zwölfte Imam als lebendiger Zeuge Gottes auf Erden lebt, ist für die Zwölfer-Schiiten einer der wichtigsten Beweise dafür, dass sie sich auf dem richtigen Weg befinden. Im Gegensatz zu uns besitzen die Sunniten keinen Kalifen - nicht einmal einen unrechtmäßigen. Und die anderen Schiiten besitzen keinen lebenden Imam. Sie müssen zugestehen, dass es für sie keinen Mittler zwischen Gott und den Menschen gibt, dass die Verbindung unterbrochen ist, und es keinen Weg zu Gott gibt. Aber die Zwölfer-Schiiten, die an den lebendigen Imam glauben, glauben auch daran, dass er sie sieht und hört. Sie sind überzeugt, dass er die Religion beschützt. Sie leben ihre Religion in der sicheren Erkenntnis und Überzeugung, dass er sie beschützt. Sie sind die einzigen Menschen auf Erden, die sich auf dem rechten Pfad befinden. Durch diese Argumentation ist der dritte Grundsatz unserer Religion, die »Anerkenntnis der Imame« bewiesen.
Erneut erkennen wir, dass alles wahr ist: Der Prophet lebte auf Erden, aber er ist verstorben, seine elf Nachfolger sind ebenfalls verstorben und der zwölfte lebt im Verborgenen und niemand vermag sie zu erreichen - was also sollen wir tun?
Wenn Gott diese Menschen gesandt hat, um uns seinen Willen kundzutun, und wenn unsere Religion »bis zum Tage der Auferstehung« bestehen bleiben soll, dann müssten unsere Pflichten für die Zeit in der wir leben, festgelegt sein und es ist nicht denkbar, dass wir ohne alle Wegleitung zurückgelassen worden sind. Also greifen wir zu ihren Lehren und Hadith und stellen fest, dass sie uns klare Anleitungen gegeben haben. Der zwölfte Imam (Hazrat Hujjat) hat, bevor er sich unseren Blicken entzog, in einem Brief geschrieben, dass: » ... ihr bezüglich der Dinge, die geschehen, die Erzähler unseres Hadith, die von mir bestätigt worden sind, konsultieren sollt, und ich wurde von Gott bestätigt.«
الوسائل ج 18 ص 101
اما الحوادث الواقعة فارجعوا فيها الي رواة حديثنا فانهم حجتي عليكم و انا حجة الله
Wir müssen uns also an die Erzähler, die Zeugen des Hadith halten. Aber die Sache ist immer noch nicht sonderlich klar. Müssen wir jeden, der ein Buch aufschlägt, und uns einen Hadith vorliest, als jemanden betrachten, der durch den Imam bestätigt wurde, oder müssen zusätzliche Bedingungen erfüllt sein?
Wenn wir weiter nachforschen, stoßen wir auf einen anderen Brief Hazrat Hujjats, in dem es heißt: »Es gibt keinen Grund für irgendeinen unserer Freunde, den Hadith, den unsere Vertrauten mitteilen, anzuzweifeln oder in anderen Zweifel zu säen. Diese Berichterstatter sind von uns bestätigt und wir haben sie durch die Mitteilung unserer Geheimnisse zu Verbündeten gemacht, so dass sie diese Geheimnisse unseren Freunden überbringen können.
لا عذر لاحد من موالينا في التشكيك فيما يرويه عنا ثقاتنا قد عرفوا بانا نفاوضهم سرّنا و نحمّلهم اياه اليهم
Wir sollten uns also nur auf verlässliche und vertrauenswürdige Erzähler stützen. Und wenn wir weiter forschen, finden wir im genannten Hadith eine andere Aussage des elften Imam, Hasan al-ʿAskarī (FSMI), die lautet: » ... die Menschen sollten jenen Theologen folgen, die ihr ›inneres Selbst‹ beherrschen, ihre Religion beschützen, ihre Begierden zügeln und dem Herrn gehorchen. Nur wenige schiitische Theologen sind dazu imstande, keineswegs alle.«
فاما من كان من الفقهاء صائناً لنفسه حافظا لدينه مخالفا علي هواه مطيعاً لامر مولاه فعلي العوام ان يقلدوه و ذلك لايكون الا بعض فقهاء الشيعة لا جميعهم
Aus diesem Hadith wird uns verständliche, dass ein guter Ratgeber, dem wir folgen dürfen, nicht nur ein wahrhaftiger Zeuge sein, sondern auch in Taten umsetzen muss, was er predigt. Er muss sein »inneres Selbst« dazu bringen, dem Imam zu gehorchen, wirklich religiös und gläubig sein, und seine Religion beschützen. Er darf nicht seinen Begierden folgen, sondern muss diese zügeln, und er muss den Anweisungen seines Imam gehorchen. Die Warnung am Ende macht uns darauf aufmerksam, dass nicht jeder, der das Gewand eines Theologen trägt, auch die Qualitäten eines solchen besitzt. Nur einige wenige besitzen diese Qualitäten und diesen müssen wir folgen. Alle Schiiten anerkennen die Verlässlichkeit dieser drei Hadith und folgen ihnen. Es besteht kein Zweifel, dass diese Regel in der Zeit der Verborgenheit des zwölften Imam gültig ist. Unsere Aufgabe ist also im allgemeinen klar und wir müssen einen solchen Menschen suchen.
Was nun diesen Menschen anbetrifft, so muss er Monotheist sein und darf keine Götzen anbeten. Er ist weder Jude noch Christ, sondern höchstwahrscheinlich ein Moslem. Er kann kein Sunnit sein, weil die Sunniten nicht an unsere Imame glauben. Er muss also der Zwölfer-Schia angehören. Er kann nicht unwissend sein, weil wir nach Erkenntnis suchen und der Unwissende diese nicht besitzt. Wir werden ihn unter den Gelehrten und Weisen finden. Naturgemäß sind jene, die die genannten Qualitäten nicht besitzen, ausgeschlossen. Nur einige wenige bleiben übrig, die für ihre Kenntnis der Hadith und ihre Treue zu ihnen, sowie ihren Gehorsam gegenüber den Imamen und ihren Mangel an Rechthaberei bekannt sind.
Dennoch müssen wir weiterhin die Möglichkeit der Heuchelei und Scheinheiligkeit in Betracht ziehen und damit rechnen, dass sie nicht sind, was sie scheinen. Es kann sein, dass bestimmte Menschen diese Qualitäten nicht wirklich besitzen, sondern um des Geldes willen, oder wegen des Ansehens oder aus anderen weltlichen und materiellen Gründen bloß vorgeben, sie zu haben, während sie in Wahrheit lügen. Sie versuchen gar nicht, die Worte Gottes oder des Propheten richtig zu verstehen und zu predigen. Ja, sie können sogar aus Mangel an Frömmigkeit einen Hadith fälschen und uns etwas Unwahres oder Unrechtes erzählen, um ihre weltlichen Wünsche zu befriedigen. In diesem Fall müssen wir Gott um Hilfe bitten. Er hat in seinem Buch versprochen, dass er die Wahrheit bezeugen und die Unwahrheit bloßstellen wird.
Ein Wort Gottes besagt: »Wir werden diejenigen gewiss auf unseren Wegen leiten, die in unserer Sache wetteifern.« (29:69)
الذين جاهدوا فينا لنهدينهم سبلنا
Jene gelehrten Theologen, die der Imam in seinem Brief beschrieben hat, sind der Pfad zu Gott. Wenn jemand sie mit guten Absichten sucht, wird Gott sie gewiss zu ihnen hinführen. Andererseits wird er jene bloßstellen, die falsche Ansprüche erheben, und ihre Lügen dem umsichtigen Gläubigen offenbaren.
Auf diese Weise findet man einen Beweis für Gottes Bestätigung, die den sichersten Grund für den eigenen Glauben bildet. Und es ist der einzige Weg, auf dem man Gewissheit erlangen kann, nichts anderes in der Welt vermag einem diese Gewissheit zu geben. Und wie Sie vielleicht bemerkt haben, haben wir durch ein und dieselbe Argumentation sowohl das Prophetentum als auch das Imamat bewiesen. Diese Argumentation ist für jene gedacht, deren Verständnis über das von Laien hinausgeht, weil gewöhnliche Menschen ihr Vertrauen auf gewöhnliche Gründe bauen, während Menschen mit einem höheren Verständnisvermögen ihr Vertrauen auf die Quelle aller Gründe, auf Gott, bauen.
Dieser Argumentation sollten Sie folgen, um Gewissheit zu erlangen. Wir haben sie benutzt, um die Säulen und Grundsätze unserer Religion zu finden, nämlich:
Erstens: Die Anerkenntnis Gottes und die Überzeugung von seiner Allmacht;
Zweitens: Die Anerkenntnis des Propheten und die Überzeugung, dass der Prophet unserer Zeit Mohammed, der Sohn des ʿAbd Allāh ist (FLGF). Nach ihm wird es keine Propheten mehr geben;
Drittens: Die Anerkenntnis seiner »Nachfolger« - der zwölf Imame;
Viertens: Die Anerkenntnis der wahrhaftigen Überlieferer des Hadith und der frommen Theologen, die es zu jeder Zeit auf Erden gibt, zu denen Gott all jene führt, die sie ernsthaft suchen.
Alle anderen religiösen Fragen sind diesen untergeordnet. Die Antworten auf sie finden sich in den Hadith, die von vertrauenswürdigen Zeugen stammen. Wir müssen ihnen Vertrauen entgegenbringen und uns an ihre Anweisungen halten.
Herr Safari hat geschrieben: »Mit diesem Ziel vor Augen begann ich meine Suche. Im Augenblick studiere ich die Schaichīsmus. Bisher habe ich drei Bücher gelesen, die ihn verurteilen. Sie bezeichnen ihn sogar als ›Agenten des Kolonialismus‹, aber ich kann die Ansicht der Autoren nicht akzeptieren.«
Antwort: Sie haben eine weise Methode gewählt. Man sollte gründliche Untersuchungen und Studien durchführen, ohne gute Gründe weder etwas akzeptieren noch verwerfen, und seine Entscheidungen auch nicht auf Hörensagen stützen. Aus diesem Grund haben sie ja auch, obwohl sie bereits drei Bücher gelesen haben, die die Schule der Schaichī verurteilen, sich noch kein abschließendes Urteil gebildet und warten die Stellungnahme der anderen Seite ab, bevor sie ein Urteil fällen, was durchaus bewundernswert ist.
Aber die Schule der Schaichī, die sie erwähnen, ist nicht eine spezielle Glaubensrichtung. Die Schule der Schaichī ist nichts anderes als der Schiismus der zwölf Imame. Dieser Name wurde von anderen geprägt, weil wir dem großen Theologen, dem seligen Scheich Ahmad al-Ahsa'i folgen, Gott möge ihn erhöhen, - deswegen nannten sie uns Schaichanhänger. Tatsächlich sind wir sehr glücklich, dass wir zu einem gehorsamen Freund unter den Freunden Mohammeds des Propheten und seiner Familie (FLGF) in Beziehung stehen. Unser Vorzug besteht darin, dass unsere Weisen viel mehr als andere über die Tugenden und den Stellenwert des Propheten Mohammed und seiner Familie geschrieben haben.
Ich weiß nicht, welche Bücher, die die Schule der Schaichī zurückweisen, sie gelesen haben oder wer sie geschrieben hat. Aber ich kann sagen, welches Niveau sie repräsentieren und welcher Menschengruppe ihre Autoren angehören. Zuerst aber muss ich eine Einleitung vorausschicken, damit die Wurzel des Problems verstanden wird.
Gottes Weisheit und Gerechtigkeit sehen vor, dass die Menschen durch Propheten und spirituelle Lehrer (hujjat) angeleitet werden. Aber es steht ihnen frei, diese anzuerkennen oder abzulehnen. Sie haben die freie Wahl zwischen spiritueller Anleitung oder Ablenkung und ihre Wahlfreiheit wird ihnen nicht abgenommen.
Die Kriege, in die manche Propheten wie Moses oder Mohammed verwickelt waren, dienten in erster Linie der Verbreitung des Wortes Gottes. Nachdem dies vollbracht war, blieb es den Menschen und ihrer freien Wahl überlassen, wie sie sich entschieden. Den Propheten war es um den wahren Glauben und die von Herzen kommende Zustimmung zu tun, und nicht um die vordergründige Unterwerfung unter Zwang.
Der Beweis dafür ist im Koran enthalten, in dem es heißt: »Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist gegenüber dem unrichtigen nun klar erkennbar geworden.« (2:256)
لا اكراه في الدين قد تبين الرشد من الغي
Deswegen wies der Prophet ʿAlī auf seinem Totenbett auch an, zu Hause zu bleiben und sein Schwert nicht zu erheben. Der Prophet sagte: »ʿAlī ist wie die Kaaba, deswegen müssen die Menschen auch zu ihm gehen und nicht er zu den Menschen.«
Daher duldete er auch die Heuchler und stellte sie nicht bloß. Dadurch ließ er ihnen die freie Wahl und nutzte ihre große Zahl für die Verbreitung des Wortes Gottes in der Welt, so dass jedermann es hören konnte. Das ermöglichte es den Ungläubigen, ihre falsche Wahl unter dem Schutzschild des Islam sicher auszuleben. Auf diese Weise erwies sich Gottes lebendiger Zeuge an ihnen und Gottes Gerechtigkeit wurde offenbar. Davon spricht auch der Koran: »Diesen und jenen stehen wir hilfreich bei und Gottes Beistand bleibt niemandem versagt.« (17:20)
كلاً نمدّ هؤلاء و هؤلاء من عطاء ربك و ماكان عطاء ربك محظورا
Aus diesem Grund ließ Gott auch den Teufel gewähren, damit ein jeder, des es vorzieht, verführt zu werden, auch verführt wird. Hätte Gott es anders gewollt, hätte er den Teufel vernichten können. Oder der Prophet hätte die Heuchler verbannt und ihnen nicht erlaubt, den Islam zu unterwandern, solange er noch selbst die Hand am Steuer hatte. Die Gefährten des Propheten waren nicht alle gute Menschen, wie die Sunniten behaupten. Die meisten waren Heuchler und Gott hatte den Propheten in der Sure »Heuchler« vorgewarnt:
»Wenn die Heuchler zu dir kommen, sagen sie: ›Wir bezeugen, dass du in Wahrheit Gottes Gesandter bist.‹ Und Gott weiß, dass du in Wahrheit sein Gesandter bist. Doch Gott bezeugt, dass die Heuchler Lügner sind. Sie haben ihre Eide als Schutzschild vor sich aufgespannt und führen vom Weg Gottes ab. Übel ist wahrlich, was sie tun.« (63:1-2)
إِذَا جَاءَكَ الْمُنَافِقُونَ قَالُوا نَشْهَدُ إِنَّكَ لَرَسُولُ اللَّـهِ وَاللَّـهُ يَعْلَمُ إِنَّكَ لَرَسُولُهُ وَاللَّـهُ يَشْهَدُ إِنَّ الْمُنَافِقِينَ لَكَاذِبُونَ اتَّخَذُوا أَيْمَانَهُمْ جُنَّةً فَصَدُّوا عَن سَبِيلِ اللَّـهِ ۚ إِنَّهُمْ سَاءَ مَا كَانُوا يَعْمَلُون
Und das ist die wirkliche Bedeutung des Wortes Heuchler: Es ist jemand, der das Gegenteil dessen behauptet, was er von Herzen glaubt. Solche Menschen gab es immer unter den Muslimen - sie sind die fünfte Kolonne des Teufels, die die Religion Gottes unterwandert hat. Man kann deutlich erkennen, wie diese Heuchler ihre geheimen Absichten nach dem Tode des Propheten offenlegten, indem sie die Rechte der wahren Gläubigen unterdrückten, sie bedrängten und misshandelten.
Nicht jeder also, der behauptet, ein Muslim zu sein, ist auch wirklich einer. Und nicht alle, die den Glauben verkünden, sind wirklich Gläubige. Es ist möglich, dass sie Heuchler sind, und in Wahrheit der Familie des Propheten feindselig gegenüberstehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es solche Heuchler auch unter den Schiiten.
Es gibt sogar Berichte über solche Heuchler. Manche waren Zeitgenossen eines bestimmten Imam und verleugneten dann seinen Nachfolger. Ein Hadith von ʿUmar, dem Sohn Yazids berichtet: »Ich weilte in der Gegenwart des Imam Dschaʿfar as-Sādiq (FSMI) und er sprach sich ausführlich lobend über die Schiiten aus. Dann sagte er: ›Es wird eine Gruppe von Schiiten geben, die schlimmer ist, als jene, die die Schiiten wegen ihres Glaubens verfolgen.‹ Ich sagte: ›Behaupten sie nicht, sie seien deine Freunde, und hielten von deinen Feinden Abstand?‹ Er sagte: ›Ja.‹ Also fragte ich weiter: ›O mein Herr, bitte identifizieren sie diese Leute!‹ Er sagte: ›Es handelt sich um eine Gruppe, die ihre Prüfung durch 'Zaid' und 'Musa' erleben wird.‹«
Offensichtlich meinte der Imam die »Zaidi«, die glauben, Zaid sei der wirkliche Imam und die »Fathi«, die Abdullah Aftah, dem Sohn des Imam, nach seinem Tod folgten, und nach dem Tod Jaffar Sadiqs seinen Sohn Musa nicht als den nächsten Imam anerkannten.
Vom Imam Sādiq (FSMI) ist folgende Aussage überliefert: »In bezug auf uns spalten sich die Menschen in drei Gruppen: Eine Gruppe erweist uns Freundlichkeiten, weil sie das Erscheinen des zwölften Imam erwartet und auf materiellen Gewinn hofft. Diese Menschen wiederholten und schützten unseren Hadith, fehlten aber in ihren Handlungen. Gott wird sie ins Feuer treiben.
Eine weitere Gruppe erweist uns Freundlichkeiten. Sie hört unser Wort und handelt ihm gemäß, um Wohltaten und Vorteile von den Menschen zu erlangen und von diesen zu leben. Aber Gott wird ihre Mägen mit Feuer füllen und sie werden immerzu Hunger und Durst erleiden.
Eine dritte Gruppe erweist uns ebenfalls Freundlichkeiten und schützt unser Wort. Sie gehorcht unseren Anweisungen und handelt uns nicht zuwider, daher gehört sie zu uns und wir zu ihr.«
Vom selben Imam wird berichtet, er habe über unterschiedliche Erzähler seiner Hadith gesprochen und gesagt: »Und eine Gruppe unter ihnen bildet unsere Feinde, die uns aufgrund unseres Glaubens verfolgen. Diejenigen, die ihr angehören, können uns nicht offen widersprechen, daher eignen sie sich etwas vom wahren Wissen an und probieren es aus. Deshalb werden sie als Rechtgläubige betrachtet und von unseren Schiiten geachtet. Unsere Feinde dagegen hassen sie. Sie mischen viel Falsches in den wahren Hadith, auch manches, was wir verabscheuen, aber unsere treugläubigen Anhänger, die glauben, sie gehörten zu uns, anerkennen sie alle, und daher sind diese Leute nicht nur selbst in die Irre gegangen, sondern haben auch andere in die Irre geführt.
Solche Leute fügen den schiitischen Laien mehr Schaden zu, als die Armee Yazids Imam Husain (FSMI) und seinen Gefährten Schaden zufügte. Die Armee Yazids nahm Imam Husain und seinen Gefährten das Leben und raubte ihre Besitztümer, und dies erhob die letzteren aufgrund ihres Leidens in ihren spirituellen Rang. Aber diese Betrüger versuchen, wie wir auszusehen, indem sie uns umschmeicheln und unsere Feinde bekämpfen. Auf diese Weise schüren sie Unsicherheit unter unseren Anhängern, führen sie in die Irre und rauben ihnen die Möglichkeit, rechtschaffen zu sein. Dennoch: Wenn Gott jemanden sieht, der wirklich seine Religion verteidigt und seinen Imam verehrt (FSMI), dann wird er ihn unter diesen verführerischen Häretikern nicht alleine lassen, sondern sendet einen vertrauenswürdigen Menschen, um ihn auf den rechten Pfad zu führen. Gott hilft ihm, die Anleitung durch den vertrauenswürdigen Führer anzunehmen und lässt ihm auf diese Weise die schönsten Vorteile der beiden Welten zuteil werden, während jenen, der ihn in die Irre führte, die ewige Verdammnis erwartet.«
Ich zitiere diese Berichte, um Sie darüber aufzuklären, dass es unter jenen, die sich als Schiiten bezeichnen, alle möglichen Heuchler gibt - die im Namen des Schiismus den Schiismus bekämpfen. Sie sollten sich also durch die von ihnen vorgetragenen Ansprüche nicht in die Irre führen lassen, denn, wie es am Ende des zitierten Hadith heißt: Wer immer wirklich seine Religion verteidigt und seinen Imam verehrt, den lässt Gott nicht durch die Heuchler verführen, sondern wird ihn durch seine wahren Gläubigen leiten, und ihm die Möglichkeit der Errettung geben. Wie ich erwähnte, hängt all dies von der Bekräftigung und Bestätigung durch Gott ab, weswegen wir auch zu ihm beten müssen, er möge uns führen. Und Gott wird sein Versprechen halten und uns führen.
Ich werde Ihnen einige von unseren Maschayekh (Schaichi Geleherten) verfasste Bücher schicken, in denen die Anschuldigungen gegen unsere Schule widerlegt werden. Ich hoffe, sie werden diese Bücher vorurteilsfrei studieren. Und ich hoffe, Gott wird Ihnen die Wahrheit deutlich zeigen. Da Sie die Titel der drei Bücher, die Sie gelesen haben, nicht nennen, und ich die in ihnen vorgebrachte Kritik nicht kenne, kann ich darauf auch nicht antworten. Aber solche Bücher entsprechen für gewöhnlich einem Typus, umso mehr, als spätere Ankläger von ihren Vorgängern lernen und immer dieselben Dinge wiederkauen.
Ich hoffe, sie werden die Antworten auf all ihre Fragen in den Büchern finden, die ich Ihnen schicke. Allerdings gehen diese nicht auf die Behauptung ein, die Schaichismus arbeiteten dem Kolonialismus in die Hand, die Khalesi Zadeh erst kürzlich erfunden und in einer seiner Publikationen aufgestellt hat. Erstaunlicherweise sagt er dort auch, er habe keinerlei historisches Dokument als Beweis. Es ist ein schlechter Scherz, dass gewissenlose Autoren diese leere Behauptung dennoch aufgreifen und als Tatsache hinstellen. Ich fand sie in einem Buch mit dem Titel »Söldlinge des Kolonialismus in religiösem Gewand«, in dem der Autor weitschweifig über dieses Thema spricht und als einzigen Beweis die Fälschungen Khalesi Zadehs anführt.
Tatsächlich ist er ein Feind des Propheten Mohammed und seiner Familie. Er leugnet ihre Tugenden und geht so weit, zu behaupten, der Prophet habe verboten, den Namen ʿAlīs, des Anführers der Gläubigen im Gebetsruf (azan) zu verwenden. Aber da Gott versprochen hat, die Lügner zu entehren, behauptet er in seinem Buch auch, der selige Seyyed Kāzim Raschti sei ein Bürger Wladiwostoks und ein russischer Spion gewesen. Wenn man jedoch in der »Encyclopaedia Britannica« nachschlägt, erfährt man, dass Wladiwostok erst zwanzig Jahre nach dem Tod Seyed Kāzim Raschtis erbaut wurde. Sie können dieses Beispiel als Maßstab zur Überprüfung der übrigen Behauptungen nehmen.
Außerdem kann man sich keinen Grund vorstellen, warum die britische und die russische Regierung Gelehrte angestellt und in den Iran entsandt haben sollten, um nahezu 950 Bücher über die verschiedensten Wissensgebiete wie Theosophie, Rechtsprechung, Mathematik, Naturwissenschaft, Chemie und Physik zu schreiben und ihr Leben damit zu verbringen, den Islam zu fördern und die Tugenden des Propheten Mohammed und seiner Familie herauszustreichen. Männer, die ihr Leben damit verbrachten, die Muslime zu Brüderlichkeit und Freundschaft aufzurufen und niemals in Regierungsgeschäfte eingegriffen haben, oder die keinen einzigen Schritt unternommen haben, um die Fremden irgendwie zu begünstigen. Im Gegenteil: Sie haben Bücher gegen sie geschrieben, wie mein berühmter Urgroßvater, der selige Hāddsch Mohammed Karim Khan - möge Gott seinen Rang im Himmel erhöhen. Dieser hat im Auftrag von Nāser ad-Dīn Shāh, der König war, als die Briten im Hafen von Bousher vor Anker gingen und Truppen an Land sandten, ein umfangreiches Buch mit dem Titel »Nasserieh« verfasst.
Dieses Buch handelt vom Kampf gegen die Feinde des Islam und den Folgen der Fremdherrschaft. Es gibt ein weiteres Buch, das sich gegen die christlichen Missionare verwahrt, die im Iran tätig waren, um den Einfluss ihrer Regierungen auszuweiten und das Christentum in diesem Land zu verbreiten. Ich frage mich, welchen Nutzen solche angeblichen Spione für Russland und England haben sollten. Jeder vernünftige Mensch, der das Buch »Söldlinge des Kolonialismus in religiösem Gewand« liest, wird erkennen, dass es aus einer Ansammlung von Lügen besteht, dass der Autor von persönlicher Feindseligkeit und von der Hoffnung auf materiellen Gewinn durch die Publikation getrieben war. Auf Wunsch eines Freundes habe ich eine Entgegnung auf das Buch geschrieben und so Gott will, werden wir sie drucken und vielleicht werden Sie sie dann ebenfalls lesen können.
Herr Safari hat geschrieben: »Ich bin sicher, dass sie mir freundlicherweise ein Buch schicken werden, das die Wahrheit darstellt und den Schaichismus als den richtigen Weg beschreibt.«
Antwort: Wie ich zuvor schon erwähnte, unterscheidet sich der Glaube der Schaichismus nicht von jenem der Zwölfer-Schiiten. Was die an uns gerichtete Kritik anbetrifft, so ist sie weitgehend verleumderisch und in unseren Büchern findet sich nichts, was diese Anklagen rechtfertigen würde. Die wenigen echten Kontroversen betreffen Auffassungsunterschiede, die schon immer zwischen den Gelehrten bestanden haben. Die wichtigsten sind die vier folgenden:
• Erstens, das Thema der Auferstehung. Die Kritiker verbreiten die falsche Behauptung, wir glaubten an die Auferstehung der Seele, aber nicht an die Auferstehung des Leibes. Gott ist unser Zeuge, dass unsere Maschayekh (Schaichi Gelehrten) nie dergleichen gesagt haben. Die leibliche Auferstehung ist eine der Grundwahrheiten des Islam und unsere Maschayekh (Schaichī-Gelehrten) würden niemals irgendeiner seiner Grundwahrheiten widersprechen. In ihren wissenschaftlichen Untersuchungen haben sie davon gesprochen, dass der jetzige physische Leib bei der Auferstehung nicht wiederkehrt, sondern dass der Mensch mit seinem »ursprünglichen Leib« bekleidet ist. Einige berühmte und äußerst angesehene Theologen, wie zum Beispiel Madschlessi und Khaje Nassir-Toosi [= Khawaja Muhammad ibn Muhammad ibn Hasan Tūsī , besser bekannt als Khaje ad-Dīn Ṭūsī] vertreten ebenfalls diese Auffassung. Unsere Maschayekh haben viele logische und aus der religiösen Überlieferung geschöpfte Beweise vorgebracht, die diese Auffassung stützen. Der Islam verlangt, im allgemeinen an die Wiederkehr des Leibes zu glauben. Wie genau diese Auferstehung sich abspielt, wie der Leib beschaffen ist, darüber sagt er nichts aus. Und wenn jemand Vorstellungen darüber entwickelt, die von den verbreiteten Ansichten abweichen, dann heißt dies nicht, dass er notwendig vom Glauben abgefallen ist. Die Umstände der »Wiederkehr« sind theoretischen Überlegungen zugänglich und es gibt 14 unterschiedliche Theorien über die Natur der Auferstehung. Unsere Maschayekh(Schaichi Gelehrten) haben lediglich ihre eigenen Vorstellungen darüber ausgesprochen.
• Zweitens, die Tugenden des Propheten Mohammed und seiner Familie, die von unseren Maschayekh (Schaichi Gelehrten) in großem Umfang erörtert worden sind. Dennoch haben sie darüber weniger geschrieben als Autoren der Sunna. Es ist schwer zu verstehen, warum manche, die behaupten Schiiten zu sein, diese Tugenden leugnen und jene anfeinden, die über sie sprechen. Eine mögliche Erklärung ist, dass es sich um Feinde handelt, die sich als Freunde verkleiden oder um unwissende Menschen, die von solchen Feinden in die Irre geleitet wurden.
• Drittens, Handeln aufgrund von Vermutungen und ohne hinreichenden Beweis. Manche Theologen haben behauptet: »In unserer Zeit ist es nicht möglich, ein unwiderlegbares Wissen von den Aussprüchen des Imam zu erlangen und daher können wir nur Vermutungen anstellen. Da wir aber Theologen sind, sind die Annahmen, zu denen wir gelangen, eine Entscheidung Gottes und wir und unsere Anhänger müssen ihnen fraglos Folge leisten.« Schaichismus akzeptieren diese Argumentation nicht. Sie glauben, dass der Strom der Weisheit, der von den Imamen herabfließt, nicht unterbrochen ist, und dass es möglich ist, unwiderlegbare Erkenntnisse von ihnen zu erlangen. Es ist wichtig zu wissen, dass mehr als 70 Verse des Heiligen Koran und mehr als tausend Hadith Handeln aufgrund von Vermutungen verbieten. Diese Frage wurde in unseren Büchern ausgiebig diskutiert. Ich werde Ihnen zwei Bücher schicken: »Ershad-ol-Avam« (»Spirituelle Wegleitung für Laien«) vom seligen Hāddsch Mohammed Karim Khan Kermani, das die Auffassungen der Schaichismus über die Einheit Gottes, den Propheten und die Imame umfassend erörtert und die Frage der Anerkennung der Schiiten und der Auferstehung ausführlich diskutiert. Das zweite, von meinem Vater verfasste Buch, ist »Idschtihad und Taqlid« (»Selbstständiges Urteil und Nachahmung«), in dem gezeigt wird, dass Handeln aufgrund von Vermutungen nicht erlaubt ist. Ich hoffe, dass die Lektüre dieser beiden Bücher all ihre Zweifel bezüglich der Glaubensüberzeugungen der Schaichismus beseitigen kann.