• Ein weiteres Problem ist die Definition der »Prinzipien der Religion«. Diese werden falsch wiedergegeben, um die Laien aufzustacheln, obwohl es in Wahrheit keine Differenzen gibt. Die Reihenfolge, in der sie von den Kritikern wiedergegeben werden, ist nicht von den Imamen überliefert. Welche Sätze als Hauptprinzipien betrachtet werden und welche als Nebensache, hängt von den persönlichen Vorlieben des einzelnen Theologen ab. Manche haben sogar gesagt, der einzige wirkliche Grundsatz des Islam sei der Monotheismus, alle anderen seien sekundär. Andere kennen lediglich drei Grundsätze: den Glauben an den einen und einzigen Gott, an den Propheten Mohammed und an die Imame (seine Nachfolger). Wieder andere sprechen von fünf Prinzipien: Glaube an die Einheit Gottes, die Gerechtigkeit Gottes, den Propheten, Glaube an die Auferstehung und schließlich die Imame.

Unsere Maschayekh (Schaichi Gelehrten) haben von vier Säulen des Glaubens gesprochen:

der Anerkenntnis Gottes mit all seinen Attributen,

der Anerkenntnis seines Propheten und alles dessen, was er offenbart hat,

der Anerkenntnis der 12-Imame und ihrer Tugenden,

und schließlich der Anerkenntnis der Schiiten und Freundschaft gegenüber den Freunden und Feindschaft gegen die Feinde Mohammeds und seiner Familie, - Friede sei mit ihnen allen.

Diese Aufzählung weicht nicht wirklich von der anderer ab. Die Säulen der Schaichismus umfassen in Wahrheit die fünf Prinzipien, weil die Gerechtigkeit in den Attributen Gottes enthalten ist und die Auferstehung in dem, was der Prophet offenbart hat. Die Grundsätze der »Freundschaft« und »Feindschaft« werden auch von anderen Theologen genannt.

Wenn es um den Glauben an diese Grundsätze geht, dann umfassen die »fünf Prinzipien« und die vier genannten dasselbe. Wenn es aber um die Terminologie geht, dann muss man berücksichtigen, dass in den Hadith keine Rede davon ist, dass jemand, der einzelnen Worten widerspricht, ein Unrecht begeht. Wenn aber die Auffassung vertreten wird, dass jemand, der an einen der Glaubensgrundsätze nicht glaubt, den Islam verlässt, dann gilt dies auch für die Nebengrundsätze. Zweifellos stellt sich jemand, der das tägliche Gebet, die Pilgerfahrt nach Mekka oder die Entrichtung des Zehnten (Zakat) verneint, außerhalb des Islam, ebenso wie jemand, der die schiitischen Brüder anfeindet und sich mit ihren Feinden verbündet. Wie auch immer, über die wirklichen Inhalte gibt es keinen Dissens und das ganze Thema wurde nur um der Agitation willen aufgebracht.

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Herr Safari hat geschrieben: Bitte teilen Sie mir ihre Ansichten über den heutigen Iran und die Lage der Welt im 20. Jahrhundert mit. Dies ist für mich von großer Bedeutung.

Antwort: Jeder Mensch betrachtet die Welt aus seinem eigenen Blickwinkel. Wenn Sie die Welt aus meinem Blickwinkel betrachten möchten, müssen Sie sich mit meiner Art des Denkens vertraut machen. Um es kurz zu sagen: Die Menschen, die auf der Erde leben, besitzen einen physischen Körper, der mit den anderen physischen Gegenständen vergleichbar ist. Dieser physische Körper ist von einer Seele durchdrungen, die man auch in der ganzen Pflanzenwelt findet. Jede »pflanzliche« Eigenschaft, die die Menschen besitzen, kommt von dieser Seele.

So entnehmen beispielsweise die Pflanzen ihre Nahrung aus dem Boden, verarbeiten sie in ihren Blättern, nutzen einiges davon, und geben das übrige durch Verdunstung oder auf anderem Wege wieder an die Umgebung ab. Was sie behalten, wandert in die Zweige, bewirkt das Wachstum, und bringt das schöne Blätterwerk und die Blüten der Bäume hervor. Anteile der Nahrung werden benutzt, um Blüten mit männlichen und weiblichen Organen zu bilden, Pollen zu erzeugen, die Bestäubung und Befruchtung bewirken und auf diesem Wege Früchte und Samen für die Reproduktion hervorzubringen. Zu manchen Zeiten sind die Pflanzen wach und aktiv, zu anderen untätig oder im Schlafzustand.

Wenn sie schließlich alt werden, sondern sie mehr ab, als sie aufnehmen, ihr Körper schwindet dahin und sie sterben. Diese Vorgänge sehe ich auch in den Menschen: sie benötigen Nahrung und Wasser, nehmen diese Stoffe in ihren Magen auf, verarbeiten sie, transportieren die verfeinerten Säfte zu den Organen, um ihr Leben und ihr Wachstum zu ermöglichen, und sondern das Übrige durch die Nieren, Eingeweide oder die Schweißdrüsen wieder ab. Sie fertigen Kleider aus Pflanzen oder anderen Materialien an und schmücken sich selbst. Sie erzeugen aus der Nahrung, die sie verarbeiten, Samen. Durch Mann und Frau werden Kinder gezeugt. Langsam werden die Menschen alt und krank und geben mehr ab, als sie aufnehmen, verlieren an Gewicht und sterben schließlich. All dies ist meiner Auffassung nach auf das Wirken der Lebenskraft oder »Pflanzenseele« zurückzuführen, die der Mensch mit den Pflanzen gemeinsam hat. Ich kenne Menschen, die ihr ganzes Leben mit diesen Aktivitäten verbringen, und daher Bäumen gleichen, die etwas fortgeschrittener als andere Bäume sind, aber im Grunde sind sie nicht viel mehr als Bäume!

Neben dieser Pflanzenseele nehme ich aber noch ein weiteres wirkendes Prinzip im Menschen wahr, das mit der Seele vergleichbar ist, die auch die Tiere besitzen. Alle Aktivitäten des Menschen, die wir auch bei Tieren finden, gehen auf diese »Tierseele« zurück. So sehe ich zum Beispiel, dass die Tiere hören, sehen, schmecken, riechen und tasten; sie suchen auf, was ihrem Wesen entspricht und fliehen, was ihm widerspricht. Sie nähren sich von anderen Tieren, Pflanzen, ja selbst Mineralien. Sie trinken jedes Wasser und essen alles, was sie finden, gleichgültig, wem es gehört. Die männlichen Tiere bespringen alle weiblichen, die ihnen über den Weg laufen, oder die wilden erbeuten die schwächeren und fressen sie. Solange sie keine stärkeren Tiere daran hindern oder ihnen keine anderen Hindernisse im Wege stehen, tun sie alles, »was ihr Herz begehrt«. Sie verhalten sich, wie ihre Natur es verlangt; manche sind stark und mutig, wie die Löwen, daher greifen sie an; andere schwach und furchtsam wie die Gazelle, daher fliehen sie. Manche sind schlau, wie der Fuchs, und erlangen, was sie wollen, durch Täuschung; manche sind harmlos und dumm, die wie Schafe, und werden die Beute anderer.

Wenn ich solche Verhaltensweisen bei Menschen sehe, bringe ich sie mit ihrer »Tierseele« in Verbindung. Wenn manche ihr ganzes Leben mit solchen Tätigkeiten verbringen, dann sind sie Tiere, die sprechen können und sich nur dadurch von den anderen Tieren unterscheiden, dass sie etwas klüger sind und andere manipulieren und ihren Verstand benutzen können, um die Bedürfnisse ihrer Pflanzenseele, ihrer Tierseele oder ihrer mineralischen Seele zu befriedigen. Sie können ihre Bedürfnisse umfassender befriedigen, zum Beispiel Menschen, die sich keine Gedanken darüber machen, was sie essen oder trinken, ob es Wasser oder Wein ist, ob Lamm oder Schwein, ob erlaubt oder nicht, solange es nicht zu hart zum Kauen ist. Nichts ist für sie verboten, es sei denn, sie können es nicht erreichen oder der Besitzer hindert sie daran, es an sich zu nehmen, aber in ihrem Inneren gibt es keine Instanz, die ihre Begierden zügelt.

Sie stehlen das Eigentum anderer; wenn sie die Macht besitzen, konfiszieren sie es; oder sie versuchen, es durch eine Wette zu gewinnen, wenn nicht gar durch Betrug. Wenn so jemand eine Frau sieht, will er sie besitzen - wenn möglich mit ihrem Einverständnis, wenn nicht, dann durch Täuschung oder mit Gewalt, wenn es sich einrichten lässt und er nicht jemand Stärkeren fürchtet. Es gibt keine innere Instanz, die ihn aufhält.

Aber es gibt auch eine kleine Gruppe von Menschen, die etwas in sich tragen, das höher ist, als die Tierseele oder die Pflanzenseele, durch das sie diese im Zaum halten. Solche Menschen essen keine verbotenen Nahrungsmittel, selbst wenn sie hungrig sind, und wenn erlaubte Speisen zugänglich sind, dann essen sie nicht im Übermaß. Sie mögen arm sein, aber sie eignen sich nicht fremdes Eigentum an. Wenn sie Frauen sehen, dann tun sie ihnen nichts an, selbst wenn sie das dringende Bedürfnis haben. Ihre Bedürfnisse stillen sie nur mit ihren angetrauten Ehefrauen. Sie behandeln andere Menschen, die schwächer sind, nie grausam, obwohl sie die Macht dazu haben, eignen sich nicht deren Eigentum an und zügeln stets sich selbst. All diese Verhaltensweisen deuten auf etwas im Menschen hin, das über der Tierseele steht. Es handelt sich um die »Geistseele«, die Empfindungen und Wahrnehmungen hat, die über jene hinausgehen, die der Tierseele zugänglich sind. Sie besitzt Phantasie, denkt, lernt und erkennt.

Aber bei den Menschen mit einer Geistseele gibt es ebenfalls Unterschiede. Die einen haben sich ihrer Pflanzen- und Tierseele unterworfen, und benutzen ihre Geistseele dazu, diese anderen Seelen und ihre Begierden zu unterstützen. Sie verwenden ihren Verstand dazu, ihrer Pflanzenseele bessere Nahrung zu verschaffen, Gegenstände oder Waffen herzustellen, die es ihnen ermöglichen, grausame Handlungen und Verbrechen zu begehen, die ihre tierischen Eigenschaften stärken, damit sie noch mehr Grausamkeiten und Verbrechen begehen und die Schwachen beseitigen können. Manchmal täuschen sie die Jungen und Leichtgläubigen, manchmal plündern sie andere mit Hilfe wissenschaftlicher oder ökonomischer Manöver aus und unterwerfen sie. Wenn sie auch manchmal gewisse tierische Neigungen kontrollieren, dann tun sie dies nur zugunsten anderer tierischer Neigungen, die sie bevorzugen. Zum Beispiel sehen sie ein, dass Aggression und Enteignung ihre Herrschaft gefährden könnten, deswegen verzichten sie darauf, um ihre Herrschaft zu sichern. Entgegen ihrer Natur können sie sich sogar großzügig zeigen, um ihr Hauptbedürfnis zu befriedigen, das darin besteht, andere zu beherrschen. Manchmal verzichten sie auf eine kleine Summe, um andere zu täuschen, nur um ihnen später um so mehr abzunehmen. Und so weiter.

Nun gibt es aber auch andere Menschen, deren Geistseele ihre Befehle nicht von der Pflanzen- oder Tierseele empfängt, sondern von einer höheren Instanz. Sie nutzen ihre Phantasie, ihre Erkenntnisfähigkeit, ihren Verstand und auch die Kräfte ihrer Pflanzen- und Tierseele, um die Anordnungen dieser höheren Instanz umzusetzen. Für sie spielt es keine Rolle, ob das, was sie tun, ihrer Pflanzen- oder Tierseele behagt. Mit dieser »höheren Instanz« meine ich die Propheten und ihre Anweisungen, die den Inhalt der Religion bilden, und die Menschen, die ihre Anweisungen umsetzen, sind die wahrhaft Gläubigen. Ich bin sicher, dass Sie dies ebenso sehen werden, wenn Sie nur aufmerksam genug beobachten.

Nun muss ich noch etwas anderes erörtern, damit sie verstehen können, wie ich denke. Die Geschichte und die Forschungen der Geologie zeigen uns, dass auf unserem Planeten anfangs und für lange Zeit nur mineralische Substanzen vorhanden waren. Nach vielen Jahren erschienen einfache kleine Pflanzen, die sich allmählich weiter entwickelten und für viele Jahre gab es keine anderen Lebewesen auf der Erde als Pflanzen. Alle Pflanzen vervollkommneten sich, degenerierten und starben irgendwann aus. Viele Pflanzen, deren Fossilien man gefunden hat, existieren heute nicht mehr. Andere fossilierte Pflanzen existieren heute noch; wiederum andere stehen kurz vor ihrem Verschwinden, wie zum Beispiel der Bergahorn.

Lange Zeit verging, bis die Prokaryoten und einfache Tiere, wie zum Beispiel die Insekten, erschienen. Später traten dann komplexere Tiere, wie Reptilien, Vögel und Raubtiere hervor. Auch hier zeigt sich dasselbe Muster: die Entwicklung zu vollkommeneren Formen, ein Niedergang und schließlich das Aussterben. Das geschieht auch noch heute, da manche Tierarten sich vermehren und ausbreiten, während andere abnehmen und vor dem Aussterben stehen, wie zum Beispiel die Löwen.

Und dann erschien der Mensch auf der Erde. Die Vorgeschichte zeigt, dass sie anfangs nicht klug waren. Langsam entwickelten sie aber ihre Klugheit. Einfache Fertigkeiten wurden entdeckt und im Laufe der Zeit verbessert. Die Geschichte lehrt, dass jede neue Generation klüger und kenntnisreicher als die vorangehende ist. Die Bevölkerung wächst und nimmt immer weiter zu. So wie andere Lebewesen, wird auch der Mensch einen Höhepunkt seiner Entwicklung erreichen und irgendwann aussterben, es sei denn, Gott hat andere Absichten.

Wenn Sie genau beobachten, werden Sie zu Ihrer Überraschung feststellen, dass die Geschehnisse langer Zeiträume der Erdgeschichte sich in kleinen Zeitperioden wiederfinden. So kann man zum Beispiel die Evolution des menschlichen Bewusstseins im Kindesalter wiederfinden. Wenn es geboren wird, ist sein Bewusstsein geringer als das vieler Tiere. Dies entspricht dem primitiven Menschen. Innerhalb von dreißig bis vierzig Jahren vermag er sich jedoch die Kenntnisse der fortgeschrittensten Wissenschaften der modernen Zeit anzueignen und diese zu verstehen und in einem einzigen Jahr die Entwicklung durchzumachen, für die früher ganze Jahrhunderte erforderlich waren. Sie können die vergangene Evolution erkennen, wenn sie die Entwicklung eines Menschen in seinem gegenwärtigen Leben beobachten. Wenn Sie besonders scharfe Augen haben, können Sie sogar die Evolution der Welt in einem einzigen Menschen wiederfinden. Sie sehen ihn bloß als Samen, solange sein »mineralischer« Aspekt vorherrscht. Dann zieht er wie eine Pflanze seine Nahrung aus dem Blut seiner Mutter und indem er sie verarbeitet, wächst er, von Tag zu Tag, bis das Blut und die Knochen sichtbar werden. Nach vier Monaten wird das Lebensblut der Mutter seine zarte, unerleuchtete, dämmerige Seele entzünden und seine tierischen Aspekte aufwecken.

Seine mineralischen und tierischen Aspekte werden ebenso weiter gedeihen, wie seine pflanzlichen, bis er aus dem Leib der Mutter hervortritt und das erste Anzeichen seiner Geistseele in ihm erscheint. Zuerst ernährt er sich von der Muttermilch, später von allem möglichen anderen, bis zu seinem 25. oder 26. Lebensjahr. Seine »pflanzlichen« Fähigkeiten wachsen und gedeihen, bis er 40 oder 50 ist, wo sie ihren Höhepunkt erreichen. Dann beginnt der Niedergang bis zum Tod. Seine Tierseele gedeiht neben der Pflanzenseele, je mehr Nahrung ihr zugeführt wird, um mit der Verminderung der Nahrung wieder schwächer zu werden. Die Geistseele ist zu Beginn sehr schwach, weil sie sich nicht von dem ernährt, was die Tierseele gedeihen lässt, und sie bleibt auch schwach, wenn sie nicht ihre spezielle Nahrung erhält. Diese Nahrung ist geistig und besteht aus der Erziehung und dem Unterricht, die Eltern und Menschen in der Umgebung ihr zuteil werden lassen. Von Worten ernährt sich die Geistseele. Wenn zum Beispiel ein Kind unter Tieren aufwächst, wie es vorgekommen ist, wird es sich geistig nicht entwickeln und wie ein wildes Tier werden. Wenn es aber durch Mutter und Vater großgezogen wird, werden ihre Worte es nach und nach erwecken und es wird klug und einfühlsam werden. Je klüger die Eltern und ihre Freunde, um so früher wird das Kind reif und klug werden. Ein Kind zum Beispiel, das in einer großen Stadt aufwächst, versteht mehr, als ein Kind, das in einem Dorf unter einfachen Leuten groß wird. Denselben Unterschied gibt es zwischen Kindern, die in gebildeten oder ungebildeten Familien heranwachsen.

In jedem Fall reift das Kind und verlässt seinen tierischen Zustand. Seine Geistseele wird stärker und beginnt zu verstehen, so dass es die Bedeutung der Worte erfasst. Anfangs hat es noch kein Selbstbewusstsein, tut, was man ihm sagt und ist abhängig. Aber je mehr es heranreift, um so mehr gewinnt es an Selbstvertrauen und trifft seine eigenen Entscheidungen, es sei denn, es verwendet seine neuen Fähigkeiten, um seine tierischen Bedürfnisse und Frivolitäten zu befriedigen. Es wird sogar seinen Eltern gegenüber ungehorsam sein und sich selbst für klüger halten, sie möglicherweise gar verspotten. Dieses Verhalten erreicht seinen Höhepunkt in der Pubertät. Danach nimmt sein Verständnis zu, und es beginnt zu begreifen, dass seine Eltern Recht hatten und es wird sich ihnen unterordnen und ihnen gehorchen, und dieser Gehorsam dauert an, bis der Mensch 40 oder 50 ist und den Höhepunkt seiner geistigen Leistungsfähigkeit erreicht.

Wird er nun von den pflanzlichen und tierischen Elementen angezogen, dann sieht und hört er durch diese und er verkörpert sich selbst in ihnen und gehorcht ihnen. Und wenn die pflanzlichen und tierischen Elemente schwächer werden und zerfallen, dann verliert er seine Kraft des Verstehens und stirbt, ebenso wie diese Elemente.

Wenn er aber nach einer anderen Quelle der spirituellen Anleitung Ausschau gehalten hat, dann wird sein Verständnis solange bestehen bleiben, als diese spirituelle Anleitung bestehen bleibt, weil er sich von seinen mineralischen, pflanzlichen und animalischen Aspekten befreit hat, und mit einer höheren Quelle verbunden ist. Es ist wie bei einem Glas, das auf einem Tisch steht. Wenn der Tisch auseinanderbricht, wird das Glas zu Boden fallen und zerspringen. Wenn es aber mit einem Faden an der Decke befestigt ist, wird ihm das Zerbrechen des Tisches nichts anhaben, es wird nicht zu Boden fallen und nicht zerbrechen, weil es mit etwas Höherem verbunden ist.

Vieles habe ich jetzt gesagt und vieles mehr könnte ich noch ausführen. In Kürze wollte ich Ihnen andeuten, wie die Lebensgeschichte der Menschheit im Leben eines einzelnen Menschen entdeckt werden kann, und wie aufgrund dieser Erkenntnis das noch Unerkannte gefunden werden kann.

Kehren wir zur Geschichte zurück! Aus ihr können wir entnehmen, dass von Zeit zu Zeit Menschen erschienen sind, die sich selbst als etwas Höheres betrachteten. Sie behaupteten, geistige Fähigkeiten zu besitzen, durch die sie anderen überlegen waren. So wie Tiere über eine Seele verfügen, die Pflanzen nicht besitzen, die es ihr erlaubt, Dinge zu tun, zu denen Pflanzen nicht imstande sind, wie Sehen, Hören, Schmecken usw., so besitzen auch Menschen eine Seele, die den Tieren nicht eigen ist, die sie instand setzt, Dinge zu tun, zu denen Tiere nicht imstande sind, wie Phantasieren, Denken, Lernen, Erfinden usw.

Nun behaupteten diese Menschen, sie besäßen eine höhere Art von Geist, die anderen Menschen fehle, und sie vermöchten Dinge zu vollbringen, zu denen gewöhnliche Menschen nicht imstande seien. Wie die Geschichte berichtet, vollbrachten sie außerordentliche Dinge, um ihre Überlegenheit unter Beweis zu stellen, zum Beispiel erweckten sie Tote zum Leben, sagten Zukünftiges voraus, beeinflussten Pflanzen und Tiere mit ihrem Willen, und übten Wirkungen auf Himmel und Erde aus, zu denen kein anderer Mensch imstande war. Daher anerkannten die anderen Menschen sie auch und da wir keinen Grund haben, ihre Existenz oder ihre Taten zu verneinen, anerkennen wir sie ebenfalls, da man nur aus guten Gründen etwas verneinen sollte.

So wie wir über Erkenntnis- und Willenskräfte verfügen, die jenen der Tiere überlegen sind, so mag es Menschen geben, die Erkenntniskräfte besitzen, die den unseren überlegen sind. Es gibt keinen Grund, warum sie nicht existieren sollten, aber es gibt gute Gründe dafür, dass sie existieren sollten. Von entsprechenden Erscheinungen erzählen die Hadith, ebenso wie die Geschichte, und es gibt Analogien der Wahrheit in diesen Überlieferungen. Wie auch immer: All diese Menschen, die zu unterschiedlichen Zeiten der Geschichte auftraten, haben stets dasselbe gesagt:

»O ihr Menschen, ihr seid so unachtsam gegenüber der Welt, die euch umgibt! Sie besteht nicht nur aus dem, was ihr um euch herum sehen könnt; es gibt andere Welten, jenseits der physischen, dreidimensionalen Welt, dem Raum und der Zeit, die ihr wahrnehmen könnt. Ihr könnt diese Welten nicht sehen, ebensowenig wie die Pflanzen die Dinge sehen können, die sie umgeben oder ein Bewusstsein von dem haben, was ihr seht.

Genauso haben wir Sinne, die euch nicht gegeben sind. In uns lebt eine Geistseele, die ihr nicht besitzt, durch die wir die unsichtbaren Welten zu sehen vermögen. Wir können vieles tun, wozu ihr unfähig seid. Vieles nehmen wir wahr, was euch verborgen ist.

Nun, diese große Welt, die ihr sehen könnt und diese verborgenen Welten, die wir sehen können, umfasst ein Gott, der groß ist, und der alles geschaffen hat, uns eingeschlossen, - euch und all die Welten hat er aus dem Nichts geschaffen. Ihn in seinem Wesen zu erkennen ist euch und auch uns unmöglich. Aber da wir mit Erkenntnis und einem reinen Herzen begnadet sind, hat uns Gott offenbart, dass es keinen Gott gibt, außer ihm, und dass er der unbestrittene Herrscher aller Welten ist. Er hat uns auch mitgeteilt und befohlen, euch zu sagen, dass es keinen Gott außer ihm gibt und dass er diesen gewaltigen Bau der Welten errichtet hat, um geistbegabte Lebewesen hervorzubringen, die seine Majestät und Allmacht, sowie seine Eigenschaften erkennen und ihm dienen.

Dies ist der Grund für die Erschaffung der Welt. Aber natürlich entstanden im Verlauf dieses Geschehens auch Geschöpfe minderer Art und wegen ihrer Mängel konnten sie nicht ihren optimalen Zustand erreichen. Sie sind gewissermaßen Ausschuss; ein jedes von ihnen ist auf einer bestimmten Stufe stehengeblieben und wird am Ende verworfen. All die Geschöpfe des Mineral-, Pflanzen- und Tierreiches mit ihren unterschiedlichen Begabungen sind ebenfalls nur »halbfertig« und haben gewisse Stufen der Entwicklung nicht überschritten - alle werden aufhören zu sein, verworfen und von Gott zur Erde zurückgeführt.

Und ihr menschlichen Geschöpfe steht auf einer höheren Stufe als diese drei Naturreiche und habt die Fähigkeit euch weiter zu entwickeln und nicht unterwegs stehenzubleiben. Ihr könnt dem Zustand der menschlichen Vollkommenheit nahekommen, von dem wir vollkommene Beispiele sind. Der Grund für eure Unvollkommenheit ist, dass ihr euch eurer mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Seele bis zu dem Grade unterworfen habt, dass ihr sie mit eurem eigentlichen Menschsein verwechselt und aus ihnen heraus handelt. Ihr seid wie ein Reiter, der sich mit seinem Reittier verwechselt. Wenn das Pferd hungrig ist, glaubt ihr, ihr seid hungrig, oder wenn das Pferd zu einer Stute hingezogen wird, glaubt ich, ihr hättet Gefühle für diese Stute. Ein solcher Reiter ist sich der Tatsache nicht bewusst, dass er vom Pferd unabhängig und nicht mit ihm verwandt ist. Er beachtet nicht, dass seine Nahrung anders ist, als die des Pferdes und dass seine Neigungen auf etwas anderes gerichtet sind - konsequenterweise vernachlässigt er sich selbst und kümmert sich nur um das Pferd. Es wird nicht lange dauern, bis er verhungert!

Nun habt ihr mit diesem Problem zu kämpfen und der gütige Gott hat uns gesandt, um euch zu lehren und euch daran zu erinnern, dass ihr nicht das Pferd, sondern Menschen seid, und diese Seite eures Wesens stärken und ihr Dauer verleihen sollt. Das Pferd wird früher oder später untergehen. Wenn ihr es überleben und die ewigen Freuden genießen wollt, dann müsst ihr uns gehorchen und unseren Anweisungen, unserem Vorbild und unserem Verhalten folgen. Da die materiellen Substanzen, aus denen euer Körper besteht, sich im Ungleichgewicht befinden, werden wir euch sagen, wie ihr ihn reinigen, rein und ausgeglichen erhalten könnt, und jene Dinge, die ihm schaden und ihn aus der Bahn werfen, vermeidet.

Und je reiner und ausgeglichener diese materiellen Substanzen werden, um so mehr wird auch eure pflanzliche Seele ausgeglichen sein. Wir werden euch sagen, welche guten Dinge ihr essen und trinken müsst, um einen stabilen Zustand herzustellen. Und welche Dinge ihr meiden müsst, die Unausgeglichenheit bewirken. Wenn sich eure Pflanzenseele stabilisiert, dann stabilisiert sich auch eure tierische Seele und diese Tierseele, das Reittier eurer Geistseele, wird fügsam werden und ihr Ungehorsam ein Ende nehmen und sie wird dorthin gehen, wo ihr wollt, und nicht dorthin, wo sie will.

Um eure Geistseele zu stärken, müsst ihr uns stets Aufmerksamkeit schenken und eure inneren Antriebe nach unserem Vorbild formen und danach streben, mit unseren Eigenschaften übereinzustimmen. Das Zeichen eures Erfolges wird sein, dass ihr uns als eure Freunde annehmt und uns liebt. Dies ist deswegen der Fall, weil Zärtlichkeit und Freundschaft zwischen zwei Wesen, die sich ähnlich sind oder die dieselben Eigenschaften besitzen, naturgemäß auftritt. Solang eure Aufmerksamkeit der Tierseele zugewandt ist, werdet ihr tierische Eigenschaften haben und eure Ziele und Wünsche werden tierartig sein. Solange werdet ihr uns nicht ähnlich sein und uns nicht lieben.

Sobald ihr euch aber mit unseren Eigenschaften schmückt, werdet ihr wie wir werden und eure Liebe zu uns wird sich in eurem Herzen niederlassen und ihr werdet uns stets Achtsamkeit entgegenbringen. Wir gleichen einer Lampe. Das Licht Gottes ist in unserem Herzen aufgegangen und es strahlt von unserem Wesen aus. Wenn ihr uns jederzeit all eure Aufmerksamkeit zuwendet, dann wird das Licht Gottes in euer Herz eindringen und es zum Leuchten bringen und ihr werdet mit denselben Eigenschaften geschmückt sein wie wir, Eigenschaften, die Gott mit Wohlgefallen erfüllen. Wenn ihr nicht ermüdet, wird sich das Licht Gottes mit euch vereinigen und ihr werdet ebenfalls zu strahlen beginnen.

Dieses Licht ist das Licht der Geistseele, über die wir schon gesprochen haben. Eure Geistseele aber ist wie ein lebloser Körper. Sie ist wie ein Brennstoff, der nicht brennt. Wenn ihr euch uns zuwendet, wird das Feuer, das in uns ist, den Brennstoff eurer Geistseele aufwärmen und verdampfen, bis er spontan in Flammen aufgeht. Dann werdet ihr erkennen, dass ihr in ein neues Leben geboren seid und dass ihr Sinne und Gefühle besitzt, die über alles hinausgehen, was ihr bisher kennt. Ihr müsst nicht mehr blind umhersuchen wie zuvor. Ihr erlangt ein Schauen, das euch belehrt, ohne dass ihr gelehrt zu sein braucht. Ihr werdet einem Blinden gleichen, der jahrelang die Wissenschaft der Farben erforscht hat, und am Ende zwar die Terminologie der Farben beherrscht, aber sie selbst nicht versteht, der aber im Augenblick, wo ihm die Augen aufgehen, sie alle auf einmal sehen und unterscheiden kann. All dies verdankt ihr dieser Geistseele, die eine Manifestation des Lichtes Gottes ist und deren ganze Kraft aus ihm stammt. Diese Kraft werdet ihr dann besitzen. Was immer ihr befehlt, wird geschehen. Ihr werdet die alten Werkzeuge und Mittel nicht mehr benötigen. Wenn ihr uns folgt, werdet ihr ein vollkommenes Wesen, unabhängig von der Unterstützung durch die Pflanzen- oder Tierseele. Durch die Macht Gottes werdet ihr weiterleben, wenn sie zugrunde gehen. Ihr werdet zahllose Freuden genießen, die ihr euch jetzt nicht einmal vorstellen könnt. Durch die Macht Gottes werdet ihr alles haben und fähig sein, alles zu tun.«

Die Unterweisungen der Propheten sind ihre Religion. Die unterschiedlichen Bestandteile der Religion vervollkommnen die mineralische, die pflanzliche, die tierische und zuletzt die geistige Seele. Zu diesen Unterweisungen gehören auch Heilmittel für soziale Probleme. Wenn man in die Geschichte blickt, erfährt man, dass jeder Prophet, der eine bestimmte Religion gestiftet hat, auch seine Anhänger hatte. Ihren Unterweisungen zu folgen bedeutete Fortschritt und Verbesserung. Manche haben sogar einen sprungartigen Fortschritt der Intelligenz der Menschen bewirkt und sie befähigt, eine höhere Stufe der Kultur zu erklimmen.

So stiegen beispielsweise die verarmten Israeliten, die auf einer niedrigen Stufe der Entwicklung standen, unter der Führung ihres Propheten Moses (FSMI) in hohe Positionen auf, und vermochten sogar große Königreiche zu gründen. Selbst solche, die keine Juden waren, wuchsen an Intelligenz und Weisheit allein dadurch, dass sie mit den Juden Umgang hatten. Und viele hielten sich an die Offenbarungen der Propheten und anerkannten sie, selbst wenn sie die Bedeutung ihrer Offenbarung oder ihren Ursprung nicht verstanden.

Wenn sie die jüdischen Chroniken für unzuverlässig halten, dann nehmen sie eben die Geschichte des Islam. Sie wird ihnen zeigen, wie ungebildete Nomaden, die Eidechsen aßen und ihre neugeborenen Töchter aus Unwissenheit lebendig begruben, die nichts kannten, außer Mord und Plünderung, Pferde und Schwerter, durch die Unterweisungen des Propheten sich so weit entwickelten, dass es ihnen gelang, große, starke Reiche und Imperien wie das persische oder römische zu besiegen.

Sie schritten auch in zahlreichen Wissenschaften voran. Europäer, die während der Kreuzzüge mit ihnen in Kontakt kamen, lernten von ihnen diese Wissenschaften, und dies half ihnen bei ihrem außerordentlichen Fortschritt. Man kann sagen, dass ihr jetziger Entwicklungsstand auf den Wissenschaften beruht, die sie von den Muslimen übernommen haben.

Die Folgerung, zu der ich führen will, ist die, dass es die Propheten waren, die Entwicklung und Erweiterung der Erkenntnis unter den Menschen bewirkten; ihre Unterweisungen haben Nahrung für ihre Geistseelen bereitgestellt und sie gestärkt, bis die Menschen dorthin gelangten, wo sie heute sind.

Es verhält sich so, wie bei der Erziehung eines Kindes, bei der der Vater stets weiß, was er ihm in einem bestimmten Lebensalter beibringen muss. So muss zum Beispiel in der frühen Kindheit mehr Wert auf die Reinlichkeit gelegt werden, auf die Kunst des Essens, die Regeln des Schlafens und Aufstehens und so weiter. Wenn das Kind heranreift und sein Geist sich entwickelt, wird es lesen und schreiben lernen; aber es muss nicht alles verstehen, was ihm beigebracht wird.

Wenn es weiter heranreift, bringt man ihm soziales Verhalten und gute Manieren bei und erzieht sein Temperament. Je mehr seine Intelligenz heranwächst, um so schwieriger werden die Themen und Gegenstände, die man ihm beibringt. Nun gleichen die Entwicklungsstufen der Menschen zu unterschiedlichen Zeiten der Geschichte den unterschiedlichen Entwicklungsstufen eines Kindes. Ihr Verständnis und ihre Intelligenz reiften heran, fast wie beim Kind. Daher sprachen die Propheten zu jeder Zeit auch stets so, dass die Menschen auf ihrer jeweiligen Entwicklungsstufe sie verstehen konnten. Als sie voranschritten, sandte Gott einen Propheten, damit sie eine höhere Stufe des religiösen Lebens erklimmen konnten. Aber die Menschen, die ihm folgten, verstanden nicht gleich alles, was ihnen gepredigt wurde.

Meist waren sie schwach und nicht wirklich bei der Sache - wie ein sechs- oder siebenjähriges Kind, das seinem Vater aufgrund der Schwäche seiner Seele und seines Geistes zuhört und gehorcht und nicht mit ausdauernder Hingabe. Es nimmt die Form an, die man ihm einprägt, und behält diese Form, so wie Bienenwachs, das seine Form behält. Aber wenn man das Kind in eine »warme« Umgebung bringt, wird es zunehmend weich und formbar, bis es seine ursprüngliche Form verliert. Wenn es noch wärmer wird, schmilzt es, und alle Formen, die ihm eingeprägt wurden, verschwinden und es wird die Form des Behältnisses annehmen, in dem es sich befindet, es wird die Form eines Würfels annehmen, wenn das Behältnis würfelförmig ist, und eine runde Form, wenn es sich in einem runden Behälter befindet. So ist es beim Kind, das seinem Vater glaubt und dessen Geist die Form des Geistes seines Vaters annimmt.

Aber wenn sein Bewusstsein sich weiter entwickelt, dann stößt es all diese Formen ab und vergisst alle Unterweisungen. Aber da das »Wachs« seiner Geistseele sich in mineralischen, pflanzlichen und tierischen Behältnissen befindet, und gleichzeitig sein Verständnis, das es von seinem Vater übernommen hat, nicht mehr unbeugsam ist, sondern sich aufzulösen beginnt, nimmt diese Geistseele die Form des tierischen oder pflanzlichen Behältnisses an. Dann werden auch seine Wünsche eine tierische oder pflanzliche Form annehmen. Und dies ist bei einem Kind kurz vor der Pubertät der Fall, das all seine früheren Fertigkeiten und Formen verliert, und sich den pflanzlichen und tierischen Begierden zuwendet. Es wird frech, hört nicht mehr auf die Älteren, achtet seine Eltern nicht und hält sich selbst für klüger als sie. Nun, die Eltern sind mit dieser Situation nicht glücklich, tatsächlich sind sie sogar sehr unglücklich, aber sie sind auch voller Hoffnung, dass der junge Mensch irgendwann zur Einsicht kommt, und sein gegenwärtiges abstoßendes Verhalten hinter sich lässt. In Wahrheit ist dieses Verhalten für die Eltern verheißungsvoll, weil es das Erwachen des Selbstbewusstseins ankündigt, während der frühere Gehorsam lediglich die Folge eines rudimentär entwickelten Verstandes und einer Schwäche des Geistes war.

Die Eltern sind voller Hoffnung, dass die Geistseele des Heranwachsenden bald von der Hitze der Weisheit entflammt wird, diese Weisheit die Herrschaft über sein Bewusstsein erlangt, er das ganze abstoßende Verhalten hinter sich lassen und ein einsichtsvoller Mensch werden wird. Denken sie an das Beispiel des Bienenwachses zurück: Wir möchten, dass es Feuer fängt, deshalb stört es uns nicht, wenn es all seine Formen verliert, die wir ihm gegeben haben. Wir bedauern es nicht, wenn es zu schmelzen beginnt, und in die Ecken und Ritzen seines formlosen Behälters hinunterfließt, weil wir wissen, dass es am Ende, wenn die Temperatur ansteigt, verdampft, plötzlich in Flammen aufgeht und das in ihm verborgene Feuer hervortritt, um zur herrschenden Kraft zu werden. Dann wird dieses »Feuer« herrschen, und auf seinen Befehl verdunstet das ganze Wachs und geht in eine höhere Stufe über, nicht in eine niedrigere.

Nun, ebenso gehorchten die Völker in der Vergangenheit ihren Propheten, da sie sich in ihrem unbeweglichen Zustand befanden. Und welche Form sie auch immer angenommen hatten, sie behielten diese bei, da sie an ihre Bräuche gewöhnt waren. Aber nach und nach erwärmt sich das Wachs ihres Geistes, wird weich und schmilzt und ihre alten Formen und Gewohnheiten verschwinden. Aufgrund der natürlichen Trägheit sinkt ihr Bewusstsein herab, füllt ihre pflanzlichen und tierischen Behältnisse aus und nimmt die Form dieser Behältnisse, das heißt, die Form der tierischen und pflanzlichen Bedürfnisse an, und verstärkt diese mit aller Kraft.

Aber die Weisen bleiben hoffnungsvoll, weil es nicht lange dauern wird, bis das Bewusstsein seine Unbeweglichkeit verliert, zu schmelzen beginnt, sich auflöst und bereit ist, vom Feuer der Weisheit entzündet zu werden. Und sobald das Feuer der Weisheit erscheint, entzündet sich der Dampf und die Weisheit regiert. Auf Befehl der Weisheit verlassen sie die pflanzlichen und tierischen Behältnisse und steigen zum Himmel der Weisheit auf. Dann wird die Ungerechtigkeit verebben, die Dunkelheit verschwinden und die Welt sich aufhellen. Dann endet die Zeit der Herrschaft des Tieres und die Weisheit tritt ihre Herrschaft an. Dann wird die Tierhaftigkeit in ihre Schranken gewiesen und keiner Befehle mehr bedürfen, um andere nicht zu verletzten oder grausam zu handeln, dann ist die Zeit, wenn Wolf und Lamm Seite an Seite liegen.

Nun - nachdem Sie diese einleitenden Ausführungen gelesen haben und mit meiner Art des Denkens vertraut geworden sind -, werde ich Ihre Frage nach dem 20. Jahrhundert beantworten.

Ich betrachte die Welt im 20. Jahrhundert als Kind, das gerade dabei ist, in die Pubertät einzutreten. Sein Bewusstsein nimmt zu und das Wachs dieses Bewusstseins beginnt zu schmelzen. Es besaß gewisse Gewohnheiten, die als Religion bezeichnet wurden, oder andere, die es sich auf anderen Wegen angeeignet hat, wie Humanität, Ehre, Altruismus und so weiter - aber nach und nach wird es sie alle verlieren. Seine formlosen Sinne sind nun unmittelbarer auf die pflanzliche und tierische Natur gerichtet, nehmen ihre Form an und werden stärker. Als Beweis müssen sie nur die Verbrechensstatistik betrachten, die zeigt, dass Mord, Gewalt und sexuelle Straftaten immer mehr zunehmen. Andererseits nehmen Mitgefühl, Güte, Freundlichkeit, Dankbarkeit und andere Tugenden immer mehr ab. Dafür wird die tierische Natur von Tag zu Tag stärker. Wissenschaft und Intelligenz stellen sich in den Dienst der tierischen Charakterzüge, der neuen Herrscher.

Männer sind so sehr von Frauen betört und begehren sie so sehr, dass sie beginnen, wie sie auszusehen. Sie lassen ihre Haare wachsen, benutzen Makeup und tragen dieselben Farben und Kleider wie die Frauen. Aus demselben Grund versuchen Frauen sich wie Männer zu kleiden und wie diese auszusehen. Jugendliche erhalten Sexualkundeunterricht. Männer wählen sich Männer als Partner und Frauen Frauen. Politiker schaffen Gesetze speziell für diese Gruppen. Mädchen und Jungen dürfen jederzeit miteinander umgehen, die Folge sind unzählige uneheliche Kinder. Das Schlechte wird mit dem noch Schlechteren behandelt, indem die Abtreibung legalisiert wird. Manche gehen noch weiter und versuchen wie Tiere auszusehen und zu leben und werden Hippies. Ihr Haar ist ungekämmt und schmutzig, alle menschlichen Züge fallen von ihnen ab, sie trinken Alkohol und konsumieren Narkotika, um sich von den letzten Resten der verbliebenen menschlichen Intelligenz zu befreien.

Die Wissenschaften dienen den Begierden der Tier- und Pflanzenseelen. Viele studieren Ökonomie, um mehr Geld und mehr Nahrung zu erhalten und Methoden zu finden, wie man die Taschen der weniger Intelligenten plündern kann. Die Industrie ist darauf ausgerichtet, immer zerstörerische Waffen zu bauen, damit man andere in Furcht versetzen, sie ausbeuten oder töten, und ihnen alles nehmen kann, was sie haben. Konflikte zwischen Staaten werden inszeniert, damit diese um ihrer Sicherheit willen Waffen kaufen müssen und ihr hart verdientes Geld verschwenden. Dann beginnen sie, sich gegenseitig umzubringen und zerstören alle Lebensfreude; ganze Bevölkerungen verarmen und werden hilfsbedürftig, so dass sie versklavt werden können. Wenn ärmeren Staaten unentgeltlich geholfen wird, dann, um das Lamm für den Schlächter zu mästen, denn wenn ein Land extrem arm ist, gibt es dort nichts zu holen.

Die Unterstützung, die im Namen der Humanität gewährt wird, zahlt sich um ein Vielfaches aus, da man die Rohstoffe der Empfänger zu niedrigen Preisen aufkaufen kann. Aber glauben Sie nicht, dass die Schwachen besser als die Starken sind. Auch sie sind Sklaven ihrer tierischen Natur und sie würden sich genauso verhalten, wenn sie könnten. Der Löwe zerreißt den Fuchs und der Fuchs erwürgt die Hühner. Alle stehen sie unter der Herrschaft ihrer tierischen Natur und die ganze Wissenschaft, die ganze Erkenntnis steht in ihren Diensten.

Im Iran sieht es auch nicht besser aus. Jedermann versucht, sich auf den Stand der westlichen Zivilisation zu bringen. Die Iraner führen Gott und seinen Propheten im Munde, aber das sind nur Lippenbekenntnisse, denen keine Taten folgen. Sie rennen der »Zivilisation« hinterher, aber wenn sie einen Kilometer zurückgelegt haben, sind ihre Vorbilder bereits 100 Kilometer weiter. Die westliche Bevölkerung wird immer im Vorsprung sein und die anderen wie betörte Sklaven in Abhängigkeit halten.

Die anderen Völker, die viel schwächer sind, erkennen, dass sie die Macht und die Wissenschaft des Westens nie einholen werden, daher versuchen sie wenigstens wie dieser auszusehen. Es gibt keine einzige obszöne Verhaltensweise auf der anderen Seite der Welt, die bei uns nicht alsbald Mode wird. Wenn eine närrische Frau dort ein bestimmtes Kleid trägt, tragen es hier bald alle Frauen, die etwas gelten wollen. Im Westen mag der größte Unsinn verkündet werden, bei uns wird er wie eine Offenbarung aufgenommen.

Die einzige Weisheit, die noch etwas gilt, ist die westliche Weisheit. Ebenso ist die westliche Kultur die einzige, die anstrebenswert erscheint. Die eigene Tradition und Kultur wird verachtet. Die größte Ehre für einen Iraner ist es, sich wie ein Abendländer zu kleiden und ohne Akzent zu sprechen, so dass er als Amerikaner oder Europäer gelten kann. In einem Land, dessen Bevölkerung muslimisch ist, werden die teuersten importierten Alkoholika gekauft und Schweinefleisch, das weitaus teurer ist, als Rind oder Lamm - und all das wird den Gästen bei extravaganten Partys vorgesetzt.

Den Kindern versucht man Englisch beizubringen, noch bevor sie ihre Muttersprache gelernt haben. Hohe Gebühren werden bezahlt, damit man sie in Schulen unterbringen kann, an denen nur Englisch gesprochen wird, und wahrscheinlich haben diese Kinder, bis ihre Schulbildung abgeschlossen ist, kein einziges Mal eine Moschee oder eine religiöse Versammlung besucht, um das Wort Gottes zu hören. Solche Eltern sind bereit, alles zu verkaufen, was sie besitzen, um ihre Sprösslinge nach Amerika oder Europa schicken zu können, damit sie dort wie die Europäer oder Amerikaner werden. Das Kind wird, wenn es klug ist, dort bleiben, sich in den Dienst des Westens stellen und seine Eltern, sein Volk und sein Heimatland vergessen. Es wird dort wahrscheinlich heiraten, materiellen Besitz anhäufen und seinen Glauben, seine Religion, seine Nationalität und Ethnizität verlieren. Kurz: Ein solcher Mensch, der mit unserem Brot ernährt und von unserem Wasser getränkt wurde, der auf Kosten unseres Volkes erzogen wurde, wird dem Westen auf einem Silbertablett serviert. Wenn das Kind aber nicht klug ist, dann kommt es zu uns zurück und bringt abstoßende Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen als Geschenk mit. Vielleicht nur einige wenige kehren zurück, die sich das Wissen des Westens angeeignet und gleichzeitig ihre Religion und ihren Glauben bewahrt haben. Diese haben möglicherweise den Willen, ihren Brüdern zu dienen, tragen noch immer die Liebe zu ihrem Vaterland in sich und beginnen in unserem Land zu arbeiten.

Aber es ist erschütternd, die allgemeine Geistesschwäche zu sehen, von der unsere heranwachsende Generation befallen ist, die sie zu Anbetern von Fremden, ihrer Bräuche, ihrer Kultur und Ethik gemacht hat. Sie haben ihnen nicht nur ihre Religion, sondern auch ihre Nationalität und Ethnizität geopfert. Genauso, wie die Gläubigen versuchen, peinlich die religiösen Regeln zu befolgen, auch wenn sie alleine zu Hause sind, so versuchen diese Leute die Fremden peinlich genau nachzuahmen.

Befremdlicher sind jene, die sich als Fürsprecher der Religion aufspielen, aber dem Interpretationsstil der Fremden folgen und diesen Stil und das entsprechende Vorgehen ihren Anhängern als nachahmenswertes Vorbild empfehlen. Wissenschaft wird mit westlicher Wissenschaft gleichgesetzt und Logik mit westlicher Logik. Sie glauben, dass die Regeln des Islam nur aus jenen Vorschriften bestehen, die nötig sind, um die mineralischen, pflanzlichen und tierischen Eigenschaften in uns einzudämmen, um eine geordnete Gesellschaft zu schaffen, während es sich bei diesen Regeln in Wahrheit um Vorbedingungen der Menschwerdung handelt. Daher verstehen sie die eigentliche Intention des Islam nicht. Außerdem behaupten sie, das »Tor der Erkenntnis« zur religiösen Urteilsfindung in diesen entscheidenden Fragen sei verschlossen. Sie haben sich Gott und dem Propheten gleichgestellt, indem sie ihre eigenen Interpretationen und Annahmen den Anleitungen Gottes gleichgestellt haben, und von den Menschen verlangen, ihren Vermutungen gemäß zu handeln, was eine Beleidigung des Islam ist. Sie behaupten, der Islam sei eine lebendige Religion, so dass neue Situationen neue Regeln verlangten, über die der Klerus entscheiden müsse, dessen Vermutungen den Anordnungen Gottes gleichkämen und denen die Menschen folgen müssten.

Wenn sie über diese Aussage nachdenken, werden sie erkennen, dass sie entweder bedeutet, dass Gott für unsere Zeit keine Anleitungen erteilt hat, oder falls er es doch getan hat, dass dann der Prophet versäumt hat, sie uns mitzuteilen, so dass der Klerus diesen Fehler mit Hilfe seiner unvollkommenen Intelligenz korrigieren muss. Dem Propheten war es nicht erlaubt, nach Gutdünken ohne göttliche Offenbarung Anordnungen zu erlassen, und nun gelten die fehlbaren Vermutungen eines Klerus ohne göttliche Offenbarung oder ohne Erkenntnisse, die vom Heiligen Propheten stammen, als religiöse Anleitung für die Gegenwart und diese wird als göttliche Anordnung betrachtet. Auf diese Weise soll der Irrtum der Religion behoben werden und der Islam erneuert und lebendig sein! Ich suche Zuflucht vor dem Zorn Gottes!

Nun gibt es etwa siebzig Verse im Heiligen Koran, die besagen, dass Handeln aufgrund von Vermutungen Blasphemie ist. Was aber tun diese Menschen, die sich ihrem tierischen Geist zugewendet und Gott den Rücken gekehrt haben?

Wie dem auch sei: Das sind die Ansichten der Avantgarde des 20. Jahrhunderts und der entwickelten Gesellschaften, welche die Entwicklungsländer anführen. Und so sieht es in unserm Volk aus, das versucht mit ihnen Schritt zu halten und sie womöglich einzuholen!

Wie ich schon früher bemerkt habe, kommt all dies nicht unerwartet. Vielmehr entspricht es dem natürlichen Verlauf der Dinge. All diese Erscheinungen wurden im Hadith vom Propheten und seiner Familie benannt, beschrieben und vorausgesagt. Vieles von diesen Voraussagen ist heute eingetreten. Sie haben auch gesagt, dass unserem Zeitalter viele Segnungen zuteil werden.

All dies geschieht, weil das Intelligenzniveau der Menschen gestiegen ist und ihr Selbstbewusstsein zugenommen hat. Sie haben Fähigkeiten erworben, die sie früher nicht besaßen.

Und es wird nicht mehr lange dauern, bis sie bemerken, dass ihr ganzes Verhalten in den Niedergang führen wird. Sie werden die Schäden deutlich erkennen. Das Leben wird so unerträglich werden, dass sie anfangen, zu verabscheuen, was sie tun. Sie werden beginnen, nach einem Erlöser Ausschau zu halten - nach jemandem, der sie aus dem Morast herausführt.

Dann wird das Wachs ihrer Intelligenz zu schmelzen beginnen, sich in Dunst auflösen und bereit sein, sich vom Feuer der Weisheit entflammen zu lassen. Dann wird der Erlöser aus seiner Verborgenheit hervortreten - Gott möge seine Ankunft beschleunigen - und sich selbst zu erkennen geben. Genauso, wie ein einziges Streichholz genügt, um einen großen Raum, der mit Benzindampf angefüllt ist, zu Explosion zu bringen, genauso wird sein Erscheinen die Flamme der Weisheit, die er repräsentiert, dazu bringen, die Geistseelen der Menschen zu entzünden, die bereit sind, die göttliche Weisheit in sich aufzunehmen, und ein jeder wird »menschlich« werden, nachdem er zuvor tierisch war.

Eine große Veränderung spielt sich in einer Pflanze ab, wenn eine Tierseele von ihr Besitz ergreift. Wenn nun der Geist der Menschlichkeit, der Geist der Menschheit, die einzelne Geistseele erfüllt, wird die Umwälzung noch viel umfassender sein. So können beispielsweise Tiere sehen und hören, Pflanzen aber nicht. Ebenso werden die Menschen, wenn sie den Geist der Menschheit in sich aufnehmen, viel mehr fühlen und erkennen als jemals zuvor. Dann werden ihnen Verpflichtungen zuwachsen, die dem Menschengeist angemessen sind, die ihnen jetzt noch unbekannt sind. Dann wird sie der Imam über ihre Verantwortung aufklären. Das ist mit der »neuen Unterweisung und dem neuen Buch« gemeint, die im Hadith erwähnt werden, die selbst die Araber nur schwer akzeptieren können.

Wie auch immer, die gegenwärtige Religion, die offenbart und verkündet wurde - und alles was mit den Ohren der Geistseele gehört und verstanden werden konnte, wurde gehört - wird bleiben wie sie ist und dieser Teil der Religion wird sich nicht verändern. Die »neue Unterweisung« ist jener Teil der Religion, den die Ohren des »sprechenden Tieres« nicht vernehmen konnten. Er muss mit den »Ohren des Menschen« gehört werden. Sobald der Geist des Menschen erscheint, wird er diese Stimme hören; genauso, wie die Pflanzen das Licht der Sonne nicht sehen können, das die ganze Welt erfüllt, während die Tiere es können - aber wenn der Tiergeist erscheint, dann kann er das Licht mit den Augen des Tieres sehen.

Nun, der Imam - möge Gott seine Ankunft beschleunigen - , der Imam lebt und sendet das Licht Gottes in die Herzen der Menschen, aber wir sind blind und unsere »menschlichen« Augen haben sich noch nicht aufgetan. Damit wir diese Stufe erklimmen können, müssen wir unseren Geist reinigen und unsere Fähigkeiten verfeinern, auf dass dieser Geist erscheinen kann. In seinem Brief hat er die Menschen angewiesen: »Eure Handlungen sind nicht vor uns verborgen, also unterstützt uns durch eure Moral, durch Standhaftigkeit, Frömmigkeit und stetes Bemühen.« Diese Anweisung bezieht sich auf die Reinigung und Stärkung der Geistseele, die sich auf das Hervortreten des Menschengeistes, die Öffnung des Auges, »das die Wahrheit sieht« und das Aufgehen des Sinnes vorbereiten soll, der IHN wahrzunehmen vermag.

Würden die Menschen dieselben bleiben wie zuvor, und lediglich eine oberflächliche Kenntnis von ihm besitzen, also seinen Namen und seine Vorfahren kennen, sein Verhalten, seine Tapferkeit, seine Großzügigkeit, seine Bescheidenheit, sein Mitgefühl, und andere sichtbaren Vorzüge, dann wäre eine so lange Verborgenheit nicht nötig gewesen. Denn Gott und der Imam, der seine Macht aus Gott schöpft, mussten nicht die richtigen Umstände abwarten, damit der Imam erscheinen und die Heiden vernichten kann. Dies wäre schon am ersten Tag möglich gewesen - aber er will, dass die Menschheit sich erhebt und seine Mission ist es, ihr Entwicklungshelfer und Lehrer zu sein und dies ist nur durch Unterweisung und Beratung möglich, nicht durch Waffengewalt.

Man kann ein Tier durch Drohungen davon abhalten, etwas zu tun, was inakzeptabel ist, aber dadurch wird es nicht zu einem Menschen. Die Verborgenheit des Imam wird andauern, bis dieser wahre Menschengeist entwickelt ist und erscheint. Der Imam hält an seiner Verantwortung fest, mag er auch vor uns verborgen sein, heißt es doch in seinem Brief: »Wir werden euch nicht alleine lassen und uns um euch kümmern.«

Aber das braucht Zeit - genauso wie die Ausbildung eines Kindes zu einem tüchtigen Ingenieur. Das kann man nicht über Nacht erledigen. Ein Lehrer muss angestellt werden, der zuerst Lesen und Schreiben unterrichtet. Dann muss das Kind die weiteren Klassen besuchen, und erhält Lehrer, die ihm schwierigere Dinge beibringen, so dass es nach zwölf Jahren darauf vorbereitet ist, unter der Anleitung eines Meisters die Ingenieurskunst zu studieren. In den vorbereitenden Jahren besteht keine Notwendigkeit, dass der große Dekan es persönlich unterrichtet - andere vorbereitende Lehrer reichen völlig aus. Natürlich richtet der Meisteringenieur den Lehrplan ein und überwacht den ganzen Unterricht, den die anderen wertvollen und geeigneten Lehrer erteilen.

Genauso bedeutet auch die Verborgenheit des Imam nicht, dass er das Haus des Islam nicht überwachen oder sich nicht um es kümmern würde oder dass er sich aus Furcht vor den Feinden irgendwo versteckt hätte. Nein, er geht sorgsam seiner Pflicht nach und leitet die islamische Gemeinschaft. Der Elementarunterricht liegt in der Verantwortung der Religionsgelehrten. Wenn die Intelligenz und das Verstehen der Menschen heranreifen, werden höhere Lehrer den Unterricht übernehmen.

Wenn wir einen Blick in die von schiitischen Gelehrten verfassten Bücher werfen, können wir sehen, wie der Inhalt ihres Unterrichts von Jahr zu Jahr, von Jahrhundert zu Jahrhundert anspruchsvoller wurde. Wie schon bemerkt, hat der Prophet geraten, die Grundlagen zu verbessern - mit der mineralischen Seele anzufangen, dann die pflanzliche Seele zu heben, dann die tierische, dann die Geistseele, dann den heiligmäßigen Geist - schließlich weiterzuschreiten, wohin auch immer sie für angemessen halten. All dies wurde in ihren Diskussionen und Hadith erwähnt.

Zu jeder Zeit haben die Gelehrten soviel erklärt, als es dem Bewusstseinszustand und den Fähigkeiten des Volkes angemessen war. Auf elementarer Stufe haben sie für gewöhnlich Vorschriften behandelt, die sich auf Sichtbares beziehen, oder Vorschriften, die der Erhebung der mineralischen, der pflanzlichen oder der tierischen Seele dienen. Wenn Sie einen Blick in die Bücher der Rechtsgelehrten werfen, werden Sie nach dem, was ich ausgeführt habe, den Sinn all dieser Vorschriften erkennen. So dienen beispielsweise Vorschriften über Reinlichkeit oder Unreinlichkeit, über Waschungen, Kleider, Behausung usw. der Hebung des sichtbaren mineralischen Teils des Menschen. Vorschriften über Essen und Trinken, über reine und unreine Nahrungsmittel usw. der Hebung der Pflanzenseele. Vorschriften über die Urteilsfindung, die Zeugenschaft und unterschiedliche Formen der Bestrafung dienen der Zügelung der Tierseele.

Ebenso dienen die Vorschriften über die Almosen, den Zehnten, und solche, die sich auf Geld und Eigentum beziehen, der Herstellung eines sozialen Gleichgewichts und gelten für alle gesellschaftlichen Schichten. Die Vorschriften über Eheschließung, Scheidung, soziales Verhalten usw. dienen der Linderung der Lebensmühen und dem sozialen Zusammenschluss usw. Vorschriften über den Gottesdienst und das Gebet, die der Hebung der Geistseele dienen, werden nur in der einfachsten Form erläutert, die der Novize verstehen kann; zum Beispiel, wie man unterschiedliche Laute im Gebet aussprechen muss, ob man laut oder leise rezitieren soll, wie man stehen, sich beugen, niederwerfen soll usw. Aber kein Wort findet man in diesen Büchern über die Bedeutung des täglichen Gebets - nur die äußeren Verhaltensweisen beim Gebet werden besprochen.

Aber als das Verständnisvermögen der Menschen wuchs, fingen die Bücher an, die Verehrung des Geistes, das ethische Verhalten und die Suche nach Gott zu besprechen. Und dazu wurde eine neue Klasse von Gelehrten beauftragt, zu denen auch die Weisen und Gelehrten der Hierarchie der Schaichi-Schule gehören. Sie haben vor 160 Jahren zu unterrichten begonnen, und sie haben sich nicht nur mit religiösen Vorschriften beschäftigt, sondern auch mit schwierigeren Unterweisungen und Methoden, die sich auf die Schulung der Geistseele beziehen, die alle aus dem Buch Gottes und der Sunna des Propheten entnommen sind, und durch die Hadith von den Mitgliedern der Familie des Propheten (Imame) überliefert wurden. All dies haben sie in ihren Büchern, Predigten und Vorträgen behandelt und erläutert.

An die 950 Bücher haben sie geschrieben, von denen etwa 800 noch existieren; viele von ihnen sind gedruckt und die restlichen werden noch gedruckt. Über 2000 Predigten und Tausende von Unterweisungen liegen vor, die aufgezeichnet worden sind und nach und nach dem Druck übergeben werden.

All diese Texte enthalten Lehren für die nächste Stufe des religiösen Lebens: für die Suche nach Gott und die Erkenntnis des inneren Wesens der Dinge, für die vertiefte Auffassung Gottes und seiner Eigenschaften, für ein tieferes Verständnis des Propheten und der Imame, ihrer Tugenden und ihres spirituellen Rangs - möge Gottes Segen über ihm und seiner Familie ruhen.

In der Hauptsache enthalten diese Bücher Methoden, die der Vorbereitung und Erhebung der Geistseele dienen, damit sie den Geist des Menschen aufzunehmen und die Imame richtig wahrzunehmen vermag. Die Wirksamkeit der Schaichs und ihr Unterricht ist an sich schon ein Zeichen der bevorstehenden Ankunft des zwölften Imam - möge Gott sie beschleunigen. Es ist wie die Dämmerung, die den Sonnenaufgang ankündigt.

Aber manche engstirnigen Geistlichen, die Elementarunterricht erteilten, und befürchteten, ihre Klassen könnten aufgelöst werden, haben schlichtweg verneint, dass es höhere Klassenstufen gibt. Sie denken, die Begründung des Islam, die Erwählung und Sendung der Propheten und die Offenbarung der Heiligen Bücher, sowie die Erschaffung von Himmel und Erde, seien nur deswegen erfolgt, um einige simple Regeln und Vorschriften über das Verhalten der Frauen bei der Monatsregel oder männliche Waschungen oder über den Handel usw. zur Kenntnis zu bringen!

Sie meinen, man könnte allein aufgrund der Kenntnis dieser simplen Regeln einen höheren Abschluss erlangen oder sie seien die einzigen Lehrer, die es gibt. Sie ignorieren, dass die Erschaffung dieser wunderbaren Welt nicht um dieses kümmerlichen Zieles willen stattgefunden hat. Der Schöpfer dieser Welt hatte viel größere Absichten, und hat alle nötigen Vorbereitungen getroffen und wird sie weiter treffen, um sie zu verwirklichen. Protestieren, Leugnen oder Exkommunizieren führen zu nichts, sie unterminieren lediglich das Ansehen derer, die sich so verhalten, wie es ja bereits geschehen ist. Die Entwicklung schreitet voran und man kann sie nicht zurückdrehen. Gott führt die Völker zu ihrem vorbestimmten Ziel. »Gott lenkt das Schiff wohin er will, selbst wenn der Steuermann sein Hemd zerreißt.«

Wir danken Gott, dass er uns den rechten Pfad durch die Unterweisung der Gelehrten, unsere Schaichs gewiesen, und uns auf das Ziel ausgerichtet hat, das wir nach seinem Willen erreichen sollen. Wir werden das Wort Gottes verkünden, so viel es uns möglich ist, denn dies ist ein tätiges Gebet, das die Ankunft des verborgenen Imam vorbereitet. Und wir beschränken uns nicht auf öffentlich rezitierte Gebete.

Ich komme besser zum Schluss. Ich hoffe, sie können aufgrund meiner Ausführungen unsere Art des Denkens verstehen. Ich schicke Ihnen einige Bücher, die ihnen noch umfassendere Einblicke in die Lehren unserer Schaichs gewähren werden, die natürlich alle aus den Worten unseres Propheten Mohammed und seiner Familie geschöpft sind, möge Gott sie alle segnen.

Gottes Lob sei mit unserem Propheten Mohammed, seiner Familie und seinen Fürsprechern.

Verfasst mit eigener Hand: Abdul Reza, Sohn des Abu'l-Qāsim, Sohn des Zayn al-ʿĀbidin, am Morgen des siebenten Tages im Radschab, im Mondjahr 1391 - Samstag, 28. August 1971.

Die deutsche Übersetzung wurde durch Seyed Hossein Riazimand am Samstagvormittag, dem 7. Juni 2014 in Mainz abgeschlossen. Möge Gott denjenigen beistehen, die den rechten Weg suchen.